Sport : Im Finale zu Hause

Albas Kotrainer Burkhardt Prigge erinnert sich daran, wie das Team neun Mal in Folge ins Endspiel einzog

Helen Ruwald

Berlin. Das 77:71 gegen Energie Braunschweig im fünften Play-off-Halbfinalspiel war hart erkämpft, doch nun stehen die Basketballer von Alba Berlin zum nunmehr neunten Mal in Folge in der Finalserie um die deutsche Meisterschaft. 1995 und 1996 mussten sich die Berliner geschlagen geben, dann gewannen sie sechs Mal hintereinander den Titel. Am heutigen Sonntag treten sie im ersten Play-off-Finale bei TSK Bamberg an (15.25 Uhr, live im DSF und im Sony Center am Potsdamer Platz auf Großleinwand). Wer drei Siege errungen hat, ist Champion. Albas Kotrainer Burkhardt Prigge war bei allen Finalspielen dabei und erinnert sich zurück:

1995: Im Halbfinale haben wir Bamberg mit 3:0-Siegen geputzt. Aber in einem der Spiele hat Kai Nürnberger, der inzwischen bei den Opel Skyliners spielt, unserem Teoman Alibegovic durch einen Schlag die Hand gebrochen. Seither ist Nürnberger in Berlin sehr unbeliebt und wird bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Im ersten Finalspiel gegen Bayer Leverkusen hat sich dann auch noch Sasa Obradovic eine Adduktorenzerrung zugezogen. Im dritten Spiel war er wieder dabei, aber es ging nicht richtig. Wir haben die Serie 0:3 verloren. Durch den Gewinn des Korac-Cups in diesem Jahr hatten wir enormes Selbstvertrauen – aber das hilft nichts ohne die besten Spieler. Aus der jetzigen Mannschaft waren damals schon Henrik Rödl und Teoman Öztürk dabei.

1996: Wieder hieß der Finalgegner Leverkusen, wieder hatten wir Verletzungspech. Dabei konnten wir im zweiten Spiel in der rappelvollen Sömmeringhalle zum 1:1 ausgleichen. In der dritten Partie fehlte Sasa Obradovic wegen einer Leistenzerrung, prompt verloren wir. Beim vierten Spiel in Berlin war es wie im Vorjahr: Obradovic spielte, konnte es aber nicht besonders. Alba verlor 74:90, Leverkusen gewann seinen bislang letzten Meistertitel. Trainer war bei Bayer übrigens Dirk Bauermann, der jetzt unseren Finalgegner Bamberg trainiert.

1997: Wendell Alexis, Henning Harnisch und Sascha Hupmann kamen zu Alba. Überraschend hieß unser Finalgegner Bonn. Die waren Aufsteiger und qualifizierten sich erst am letzten Hauptrunden-Spieltag für die Play-offs. Mit dem Pokal hatten wir in dem Jahr den ersten nationalen Titel gewonnen, es war klar, dass wir auch Meister werden würden. In der Max-Schmeling-Halle hingen beim dritten Spiel und 2:0-Führung von uns schon Luftballons unter der Decke. Doch es wurde noch nichts mit der Meisterfeier: Drei Sekunden vor Schluss traf Bonns Eric Taylor einen Dreipunktewurf, die Baskets gewannen 78:77. In Bonn siegten wir ein paar Tage später 98:81 - unser erster Meistertitel war perfekt!

1998: Unser Finalgegner Ulm hatte sich schon nach dem Halbfinale T-Shirts bedrucken lassen: „Deutscher Vizemeister“ stand darauf. Mit so einer Einstellung konnten sie gegen uns nicht gewinnen. Wir siegten locker 3:0.

1999: Das war die härteste Endspielserie für uns. Bis zum letzten Spieltag der Hauptrunde war offen, ob Bonn Erster wird oder wir. Wir hatten die Nase vorn und damit den Heimvorteil. Beide Teams haben ihre Play-off-Finals in eigener Halle gewonnen. Das fünfte Spiel in Berlin ging mit 91:68 an Alba. Kiwane Garris, der die ganze Saison ups und downs hatte, hat Bonn mit 30 Punkten abgeschossen.

2000: Im letzten Jahr mit Svetislav Pesic als Headcoach trafen wir im Finale wieder auf unseren langjährigen Konkurrenten Leverkusen, dass mit Calvin Oldham einen neuen Trainer verpflichtet hatte. Er führte Leverkusen ins Endspiel, das wir 3:0 gewannen. Die Heimspiele konnten wir nur knapp für uns entscheiden, in Leverkusen gewannen wir dafür 70:48. Bayers Steven Hutchinson hat Wendell Alexis ziemlich genervt – trotzdem war Wendell in allen drei Spielen der Topscorer.

2001: Das erste Jahr mit Emir Mutapcic als Cheftrainer. Die ganze Bundesliga-Saison haben wir nur ein einziges Spiel verloren. Das erste Finalspiel gegen die Telekom Baskets Bonn haben wir mit 36 Punkten gewonnen, das zweite auswärts immerhin mit 20 Punkten. Knapp war nur Partie Nummer drei in Berlin: 81:77 für Alba. An eine Szene erinnere ich mich noch gut: Ein Ballgewinn von Alexis, er dribbelt, zieht sich die Hose hoch und trifft einen Dreier. Das war der coolste Wurf der ganzen Finalserie. Wir hatten in den Endspielen mit Dejan Koturovic, Jörg Lütcke und Marko Pesic mehrere Verletzte. Aber unsere Nachwuchsspieler Stefano Garris und Tommy Thorwarth waren stark. Das war ihr Durchbruch.

2002: Wir sind nur als Fünfter in die Play-offs eingezogen – dort haben wir einen Sweep geschafft, also 3:0-Siege im Viertelfinale, Halbfinale und Finale. Marko Pesic sind im einzigen Heimspiel der Finalserie gegen Rhein Energie Cologne einige coole Dreier gelungen – gegen das Team, das von seinem Vater Svetislav trainiert wurde. Das dritte Spiel in Köln war an Dramatik nicht zu überbieten, es ging in die Verlängerung: Wir haben mit einem Punkt gewonnen: 69:68. Unser sechster Meistertitel hintereinander!

2003: Bamberg hat bisher 36 Pflichtspiele absolviert, wir 54. Zudem sind die Bamberger fit und gesund, wir nicht. Mithat Demirel spielt mit schmerzhaftem Bluterguss im Fuß, Marko Pesic nach gerade überstandenem Mittelhandbruch. Wir müssen die Energie finden, um die Serie für uns zu entscheiden.

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