Sport : Im fünften Ring: Mit Atlanta gegen den Strom

Helmut Schümann

Im Medienzentrum, wo täglich Tausende von Journalisten hier unten im fünften Ring ihre Arbeit tun und auch etliche immer mal wieder vor der Tür stehen zum Rauchen, soll ein Niederländer erwischt worden sein, weil er drinnen geraucht hat. Das ist verboten und soll mit Zahlung von 1200 Dollar geahndet werden. Kann aber auch eine Ente sein, sicher jedoch ist, dass die freundlichen Helfer, Türsteher und Wegweiser etwas strenger geworden sind. Jetzt, wo Olympia von Tag zu Tag voller wird, und sich Hunderttausende durchs olympische Geläuf bewegen.

Damit das kollisionsfrei verläuft, haben sie ein Einbahnstraßensystem für Fußgänger entwickelt. Es kann also einem, sagen wir betriebsamen Menschen, passieren, dass er vom Aquatic Center zum Arbeitsplatz eilen möchte, den Olympic Boulevard hinunter, am Olympiastadion vorbei. Wenn man aber vom Aquatic Center kommt, läuft man auf der verkehrten Straße, man müsste sich einordnen bei den Olympiastadiongängern. Das setzt ein Klettern über einen Zaun voraus, was aber verboten ist und auch in der praktischen Umsetzung sehr schwer, weil auf jedem Meter ein Posten steht.

Der betriebsame Mensch geht also einfach verkehrt in der Einbahnstraße weiter. Am Sonnabend aber stand plötzlich ein Wall von Polizisten und Helfern im Weg. Man möge doch bitte schön wieder umkehren, dem Einbahnstraßensystem folgen und am Ende des Boulevards sich einreihen in die Gegenspur. Der Boulevard ist zwei Kilometer lang oder so, von Eile zum Arbeitsplatz konnte keine Rede sein. Es gab dann einen kürzeren Disput, der nicht das vom betriebsamen Menschen erwünschte Resultat erzielte. Wieder umkehren, zwei Kilometer den Boulevard hoch laufen, dann im Strom wieder runter? "Das ist ja hier wie in Atlanta", sagte der betriebsame Mensch. Atlanta? Wo 1996 Olympia war und sture Polizisten die Freude wegregulierten? Der Polizist guckte streng. Dann gab er den Weg frei. Vielleicht klappt der Trick noch öfter. Wir werden sehen.

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