Sport : Im fünften Ring: Wir haben genug gesehen

Helmut Schümann

Zusammenfassend, nach 17 Tagen in Sydney und ebenso vielen Glossen, lässt sich sagen: Das Wetter ist weitgehend schön geblieben. Allerdings musste am letzten Tag das Paddeln verschoben werden, der Gegenwind war zu stark.

Außer an diesem Tag war es draußen sehr schön, aus dieser Sicht gab es also für Raucher keinen Grund mit dem Rauchen aufzuhören. Gleichzeitig wuchs die Toleranz. Am vorletzten Tag fragten zwei Australier tief in der Nacht in einem Restaurant im Stadtteil Crows Nest die anderen Gäste, ob es sie störe, wenn sie rauchten. "Nein, wenn wir auch dürfen", kam es zurück. Vielleicht muss das Gesetz noch mal überdacht werden.

Es haben schon ein paar Besitzer ihre Boote zur Werft gefahren, um den alten Namen zu überpinseln. Es werden also demnächst etwas weniger Boote mit dem Namen "Waltzing Matilda" durch Sydney Harbour schippern, dafür mehr mit den Namen "Cathy" oder "Cathy Freeman".

Das Triathlonstadion vor der Oper ist wieder abgebaut, davor bilden sich keine Schlangen mehr, in denen Menschen stehen, die gelassen auf Einlass warten. Jetzt stehen die Schlangen direkt vor der Oper.

Die meisten Besucher können jetzt fließend sydneysiderisch. Man kann zum Beispiel gdei meiti sagen, und jeder versteht es - good day, mate, schönen Tag, Kumpel. Der Deutsche aus New York bestellt keinen Kaffee mehr, er ist jetzt umgestiegen und trinkt Fosters.

Ki-Suk Kim hat es mit seiner geruchintensiven Methode bis ins Viertelfinale geschafft. Dort traf der Kimchi-Freund auf einen Franzosen, der Münster-Käse kennt und, derart gefeit, Ki-Suk Kim aus dem olympischen Turnier boxte.

Am letzten Tag kamen noch einmal 500 000 Menschen in den Olympic Park, in der Stadt waren es gut viermal so viel. Entertainer wurden nicht mehr benötigt.

Die Jetlag-Diskussion konnte durch ein paar deutsche Medaillen beendet werden. Allerdings mussten ein paar Holländer vorzeitig abreisen. Die Straßenbahn nach Utrecht wollte nicht warten.

Morgen wird das Iris-Lese-Erkennungsgerät im deutschen Haus abgebaut. Ohnehin hat es keiner wirklich gebraucht.

Der Trick mit dem Verweis auf die lieb- und seelenlosen Spiele vor vier Jahren in Atlanta hat noch zweimal funktioniert, einmal ließ sich der Polizist nicht einmal von diesem Hinweis beeindrucken. Drei von vier ist dennoch eine gute Quote.

Fatso, der nachtaktive, breitärschige Nacktnasenwombat hat gewonnen. Es gibt ihn jetzt dreimal: Einmal steht er in der wunderbaren Sendung "A Dream" rum, gestern gewann er auch mit erstklassigen Haltungsnoten das Maskottchenspringen im Aquatic Centre vor Oly, Millie und Syd und durfte zum Ausgleich für das viele Wasser anschließend wieder nachtaktiv sein. Ein zweites Exemplar steht am Circular Quai in Schokolade, und der dritte breitärschige Nacktnasenwombat wird im Internet versteigert. Derzeitiges Höchstgebot: 110 000 Dollar.

Von der Beutelmotte, von Schnupfen, Husten, Heiserkeit spricht niemand mehr, auch nicht von Jane Saville, die eingesehen hat, dass Laufen nicht Gehen ist.

Rezazadeh Hossein hat sein Platzen überlebt. Er ist jetzt wieder voller Pharmaka und trägt wuchtige Gewichte durch Sydney.

Pink Cockatoo hat auch noch getroffen, nicht so schön auf die Stirn, wie sein Kumpel Crimson Rosella, aber auch mitten auf den Kopf, diesmal traf es einen Amerikaner. Der alte Rainbow Lorikeet hat die Attacke schmunzelnd beobachtet und den Abzug der Gäste beobachtet. Er darf hier bleiben im wunderschönen fünften Ring. Rainbow Lorikeet musste leise lächeln, auch weil die Superb Parrota neben ihm auf dem Ast saß. Auch sie lächelte, als wieder Ruhe einkehrte in New South Wales und die schönen Spiele von Sydney vorbei waren. Dann kuschelte sie sich in Rainbows Gefieder.

Kurzum: Wir haben genug gesehen.

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