Sport : Im Funkloch

Aus dem Container sieht Trainer Reimann die 0:3-Niederlage seiner Frankfurter gegen 1860

Frank Hellmann

Frankfurt/Main. Beim Abpfiff fiel Ingo Hertzsch rücklings auf den Rasen. Oka Nikolov zog sich das Jersey aus der Hose, stapfte schnellen Schrittes in die Katakomben. Auch Alexander Schur antwortete auf keine Frage mehr, er wollte nur noch weg. Dabei war die Antwort nach dem desaströsen 0:3 (0:2) im Kellerduell gegen 1860 München denkbar einfach: In dieser Verfassung ist Eintracht Frankfurt nicht bundesligatauglich. Was auch Willi Reimann bestätigte: „Wir waren nicht nur verunsichert, sondern teilweise wie gelähmt.“ Und streckenweise hätten seine Elf nur noch versucht, „sich über die Zeit zu retten“.

Für den Trainer stehen nun „Spieler und Verein in den nächsten Wochen auf dem Prüfstand“. Vorstandsboss Heribert Bruchhagen bescheinigte eben jener Mannschaft, „dilettantische Fehler“ begangen und „Nervosität von Anfang bis Ende“ gezeigt zu haben.

Keinen Einfluss auf die peinliche Pleite hatte nach Aussage aller Beteiligten die Verbannung Reimanns in einen einsamen Baucontainer auf der Haupttribüne. „Wir standen auf dem Platz, nicht der Trainer“, stellte Ervin Skela klar, einziger Frankfurter Fußballer an diesem Tag mit Erstliga-Format.

Sein Trainer, ohnehin auch in Zeiten auf der Bank nicht besonders aktiv, verfolgte in einem orangefarbenen, beheizten Blechgerippe nach seinem für fünf Spiele verhängten Innenraum-Verbot die Partie. „Nur mein Sitzplatz war ein anderer.“ Der 54-Jährige hielt über Handy ständig Kontakt mit Kotrainer Jan Kocian und gelangte über einen Tunnel unter der Fankurve in der Pause auch zu der Mannschaft. „Ich habe die Mannschaft genauso vorbereitet wie bisher“, erklärte Reimann, „doch zwischen Theorie und Praxis gibt es kleine, aber feine Unterschiede.“

Etwa verhallten die Warnungen vor der Kopfballstärke der Münchner ungehört. So war die Begegnung für die aggressiver und ballsicherer agierenden Gäste früh entschieden. Nach einem Einwurf köpfte Andreas Görlitz gegen den indisponierten Sven Günther und den zögerlichen Nikolov früh das 1:0, dann bedankte sich mit Matthias Lehmann ein weiterer Youngster für die Freiheiten im Frankfurter Luftraum.

„Ich habe mich für diese Jungs besonders gefreut“, verriet Gästetrainer Falko Götz später. Ein anderer Junger ist indes bei 1860 in Ungnade gefallen: Benjamin Lauth fand sich nach einigen leidenschaftslosen Auftritten zunächst auf der Ersatzbank wieder. „Eine taktische Entscheidung“, so Götz. Und angesichts der starken Vorstellung von Paul Agostino könnte das noch eine Weile so bleiben. Der Lauth-Vertreter erhielt nicht nur ein Sonderlob seines Trainers, sondern erzielte mit einer sehenswerten Direktabnahme aus fast 30 Metern auch das Tor des Tages zum 3:0.

Der Sieg löste bei den Münchnern fast überschäumende Freude aus: Die akute Abstiegsgefahr ist erst einmal gebannt, „wir können endlich in Ruhe arbeiten“, sagte der neue Vereinschef Karl Auer. Zu den ersten Gratulanten via Mobiltelefon zählte gestern übrigens Ex-Boss Karl-Heinz Wildmoser.

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