Sport : Im Geiste Nippons

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Osaka. Die Tournee der Blauen Armee rollt weiter. Und nach dem 2:0-Sieg über Tunesien, der die Auswahl des WM-Gastgebers Japan zum klaren Gruppensieger gemacht hat, muss auch die nächste Station Miyagi gegen die Türkei noch lange nicht Endstation sein. Dabei hätte man vor zwei Wochen noch demjenigen seinen Fußballsachverstand abgesprochen, der auf Team Nippons ersten Achtelfinaleinzug bei einer WM getippt hätte. Aber gestern erkannten die Experten erneut, was von Trainer Philippe Troussier und seinen Leuten in den letzten vier Jahren geleistet worden ist – auch ohne den Hinweis des Franzosen, „dass der japanische Fußball nicht so anerkannt wird, wie es ihm gebührt - speziell in Europa".

Im einzigen Land der Welt, in dem sich die Uhr nach den Zügen stellen lässt, zieht auch Team Nippon seinen WM-Auftrag nach Fahrplan durch. Ob gegen Belgien, Russland oder Tunesien: Sobald die Spieler aus der Halbzeitpause zurückkommen, beschleunigt der blau-weiße Express das Tempo.

„Unsere Siege haben wir wegen unseres Mutes und des japanischen Geistes verdient“, beschreibt Troussier den aggressiven Stil, einfach um jeden Ball zu kämpfen. Ebenso bewundernswert ist die Kontrolle, die sich die Japaner auferlegt haben. Als die athletisch stärkeren Tunesier ruppiger wurden, ließ sich kein Japaner provozieren. Und weil der bisherige Superstar Inamoto etwas müde wirkte, wurde er im zweiten Durchgang einfach durch Morishima ersetzt. Der war noch nicht mal zwei Minuten dabei, da verjagte er mit dem 1:0 schon alle Ängste. Der mit ihm ins Spiel gekommene Ichikawa sorgte fortan am rechten Flügel für Wirbel. Dass ausgerechnet Hidetoshi Nakata eine dieser Flanken per Kopf zum 2:0 nutzte, tat nicht nur dem Fußball-Helden Nippons, sondern irgendwie auch ganz Japan gut.

Im Verlauf des Abends tauchte dann sogar noch die Frage auf: Was können wir hier noch bewegen? Und: Wie viel können Willen, der Glaube an die Gruppe und eine Vorbereitung ausrichten, die nicht nur nach Taktik, Technik und Kondition, sondern auch auf den mentalen Bereich der Spieler ausgerichtet war.Martin Hägele

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