IM Gespräch : Erst daddeln, dann jubeln

Warum Videospiele den WM-Profis helfen

Herr Memmert, der Nationalspieler Holger Badstuber hat erzählt, dass er seine Freizeit im Mannschaftshotel an der Playstation verbringt. Was sagen Sie als Kognitionsforscher dazu?

Wer auf der Konsole mit dem Ball umgehen kann, ist ja noch längst kein toller Spieler. Umgekehrt gilt: Nur weil Badstuber Nationalspieler ist, muss er noch lange kein Ass auf der Playstation sein.

Wie schade. Hat die Daddelei denn überhaupt keinen Einfluss auf die Spieler?

Die Forschung steht hier erst am Anfang. Studien haben aber bewiesen, dass beim Computerspielen auch grundlegende Aufmerksamkeitsleistungen gefördert werden, die wiederum für viele kognitive Leistungen eine Rolle spielen. Ob aber die Fähigkeiten, die ein guter Playstationspieler haben muss – gleichzeitig verschiedene Mitspieler wahrnehmen, peripheres Sehen, intensive Konzentration – sich auch auf den realen Sport so einfach übertragen lassen, muss erst noch gezeigt werden.

Von Lionel Messi weiß man, dass er sich seine Tricks auf der Playstation abgeschaut haben soll. Das wäre doch auch ein guter Ansatz für die deutschen Angreifer...

Wir lernen doch alle vom Zuschauen. Wenn kleine Kinder einen Skilift hochfahren und dabei den anderen Menschen auf der Piste zusehen, hat das bereits einen Lerneffekt. So ähnlich verhält es sich auch beim Fußball.

Aus dem holländischen Teamhotel sind Videos aufgetaucht, die das halbe Team vor dem Bildschirm hockend zeigen. Schlechte Vorbereitung auf das Turnier, oder?

Ganz im Gegenteil! Playstation spielen hat für die Weltmeisterschafts-Teilnehmer gleich mehrere Vorteile. Zum einen ist das Erholung, die den Sportlern Spaß macht. Noch besser: Aktive Erholung. Sie tun ja etwas, sind gleichzeitig kognitiv aktiv und konsumieren nicht passiv. Zum anderen haben die Spieler untereinander diesen wunderbaren Wettkampfeffekt, der die Mannschaft zusammenschweißt und gleichzeitig gemeinsam entspannen lässt.

Prof. Dr. Daniel Memmert arbeitet am Institut für Kognitions- und Sportspielforschung in Köln. Das Interview führte Alex Raack.

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