Sport : Im Grenzbereich

Lutz Michael Fröhlich

Über diese Szene diskutiert die gesamte Bundesliga: Bayerns Torhüter Oliver Kahn wird in der 68. Minute gegenüber Sören Larsen handgreiflich, der Schalker Stürmer fällt zu Boden. Viele fordern die Rote Karte, Schiedsrichter Herbert Fandel zeigt nur Gelb. Warum, Herr Fröhlich?

Das Spiel war sehr giftig, da ist es wichtig, dass man als Schiedsrichter sofort präsent ist. Schiedsrichter Fandel hat auch an anderer Stelle mit Gelb reagiert, bei dieser Linie ist er im Fall Oliver Kahn geblieben. Er hatte bei der Szene einen Ermessensspielraum, da er sie nicht eindeutig als Tätlichkeit bewertet hat. Fandel hat später erklärt, dass er Zweifel hatte, ob eine Tätlichkeit vorlag. Das ist für mich nachvollziehbar. Oliver Kahn schlägt Sören Larsen nicht, er macht eine Handbewegung in Richtung Oberkörper und Hals. Das ist eher eine Umreißbewegung. Betrachtet man diese Bewegung mal unabhängig von der Person Oliver Kahn, muss man sagen, dass sie im Grenzbereich zwischen einer Unsportlichkeit und einer groben Unsportlichkeit liegt, bei der die Rote Karte vertretbar gewesen wäre. Weil aber in dieser Szene Oliver Kahn verwickelt ist, der in der Vergangenheit auf dem Platz öfters aggressiv aufgetreten ist, fordern viele Medien die Rote Karte. Doch Herr Fandel – und das ist elementar für die Glaubwürdigkeit eines Schiedsrichters – hat einen Vorgang in einem Spiel zu bewerten. Und nicht die Vergangenheit von Oliver Kahn.

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