Sport : Im hintersten Winkel

Unions Gegner Burghausen ist auf dem richtigen Weg

Detlef Dresslein

Burghausen. In Burghausen gibt es eine Burg, ein Chemiewerk und Rudi Bommer. Das war es dann im Wesentlichen an Bemerkenswertem. Ansonsten muss man dem 18000-Einwohner-Städtchen attestieren, dass es nun wirklich im hintersten Winkel der Republik liegt. Im alleröstlichsten Bayern nämlich, an der Grenze zu Österreich. Malerisch ist es schon, wie sich das Örtchen um die längste Burg Europas (1034 Meter) auf den Hügel schmiegt und unten die Salzach vorbeiplätschert. Aber Menschen mit einem ausgeprägten Bedürfnis sich zu amüsieren, sollten sich nicht lange hier aufhalten.

Auf den ersten Blick sieht die Vereins-Konstruktion SV Wacker aus wie in Leverkusen. Das Chemiewerk Wacker beschäftigt 10 000 Arbeiter, kümmert sich um den Breitensport und die Organisation des SV Wacker. Der hat immerhin 6000 Mitglieder, man spielt Tennis in der Bundesliga und ringt erfolgreich zweitklassig. Auch die Schwimmer sind stark, stellten zuletzt die Olympiateilnehmerin Nicole Hetzer. Der große Unterschied zu Bayer: Weil Wacker als Zulieferer keine Werbung macht, hält sich die Unterstützung für die Profis in Grenzen. Dennoch gesellte sich im Sommer nun auch die autarke Fußballabteilung zu den Erfolgreichen im Verein.

Die ist so gut, seit Kurt Gaugler 1979 hier anfing. Erst als Abteilungsleiter Fußball, dann als Manager. Eine Art Mini-Hoeneß, nicht nur weil er wie der Manager des FC Bayern München seit 23 Jahren im Amt ist. Gauglers Maßgabe: „Wenn wir etwas aufziehen, dann auf gesunder Basis.“ Egal, in welcher Liga, immer war Gauglers Motto: „Auf die Finanzen achten, dann erst die Mannschaft bauen.“ Ein weiteres Ziel von ihm ist: „Immer so hochklassig wie möglich spielen.“ Das Ergebnis: Von der fünften Liga ging es binnen zehn Jahren bis in die Zweite Liga.

Auch dank zweier Trainer. Der erste war Kurt Niedermager, der 1991 nach Niederbayern kam und die Mannschaft von der Landesliga in die Regionalliga brachte. Zum Bedauern von Gaugler und dann auch der Fans verließ er vor zwei Jahren Burghausen und wurde Jugendkoordinator beim FC Bayern. Sein Nachfolger Rainer Hörgl richtete einiges Unheil an und musste nach nur zwölf Spieltagen wieder gehen. Bei der Trainersuche stieß man auf Rudi Bommer, der bis dato als Spieler weit erfolgreicher war denn als Trainer. Doch Bommer und Burghausen, das passte auf Anhieb. Im ersten Jahr schaffte er den Klassenverbleib, im zweiten wurde man Regionalligameister und stieg auf. Dank Rudi Bommer, denn die Mannschaft war – wie gehabt – ein reines Sparensemble.

„Bommer passt in die Region, zur Stadt und zum Verein", sagt Gaugler. Auch wenn in Burghausen einige Spieler mit Profi-Erfahrung aktiv sind, wie Torwart Kay Wehner oder Stürmer Toralf Konetzke (ehemals Cottbus) – die tragenden Rollen beim Aufstieg hatten junge Spieler. Björn Hertl organisierte die Abwehr, Stefan Frühbeis trug als kopfballstarker Defensivspieler mit zahlreichen Toren zum Aufstieg bei und Roland Bonimeier, seit der D-Jugend beim SV Wacker, lenkt und leitet das Offensivspiel.

Wie die Mannschaft wird auch das Umfeld Stück für Stück den immer höheren Anforderungen angepasst – Rasenheizung, Sitzplatztribüne, Flutlicht. Wenn es nicht „so vermessen" wäre, wie Gaugler selbst zugibt, könnte man meinen, sie basteln schon an der Bundesliga. Rudi Bommer hätte nichts dagegen. Am Sonntag (15 Uhr, Alte Försterei) tritt er mit seinem Team erst einmal zum Zweitligaspiel beim 1. FC Union an.

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