Sport : IM INTERVIEW: Svetislav Pesic - Neue Vision ist eine eigene Halle für Alba

Meistermacher Svetislav Pesic über die Chancen seines Teams in der Bundes- und Europaliga TAGESSPIEGEL: Ihr Team ist dominant in der Bundesliga.Welche Rolle wird es in der Europaliga spielen? PESIC: Wir haben noch gar nichts gesehen.Am Anfang haben alle Gegner mehr Respekt, als wir verdienen.Ich bin noch nicht überzeugt von dem, was wir bisher gezeigt haben.Ich will damit nicht sagen, daß ich unzufrieden bin.Die Bundesliga wird für uns schwerer als letztes Jahr. TAGESSPIEGEL: Und was erwarten Sie in der Europaliga? PESIC: Ich sehe zwei Schwierigkeiten im Vergleich zum letzten Jahr.Wir haben eine Gruppe, in der jeder jeden schlagen kann.Auch die Gruppe C, gegen deren Mannschaften wir noch spielen, ist mit Kinder Bologna, Partizan Belgrad, FC Barcelona und Pau-Orthez sehr stark.Dazu kommen mit Ülker Istanbul und Jerusalem zwei heimstarke Teams.Wir sind jetzt eine Nummer in Europa geworden, der Respekt vor uns ist da.Also werden sich die Gegner ganz anders auf uns vorbereiten.Das macht unsere Aufgabe komplizierter als 1996. TAGESSPIEGEL: Wer sind die Favoriten in der Europaliga? PESIC: Ich spekuliere nicht gern.Am Ende werden die Vereine mit dem größten Potential vorn sein, die eine lange Bank haben, die ihre Form halten können.Manche sagen, für Alba ist das leichter, denn die Bundesliga sei schwach.Das stimmt nicht, sie ist viel stärker geworden, und jeder will gegen uns gewinnen.Die Ligen in Spanien, Griechenland oder Italien sind insgesamt nicht mehr stärker als die Bundesliga. TAGESSPIEGEL: Wie sind Albas Chancen? PESIC: Wir haben schon Qualität.Diese Qualität wird sich verbessern.Uns fehlt noch ein Center, gerade jetzt in Bologna. TAGESSPIEGEL: Was kann man zu Ihren neuen Spielern sagen? PESIC: Also Karassew: Seine Identifikation mit unserem Spielsystem geht nicht so schnell.Wir sind eine organisierte Mannschaft in Defense und Offense.Karassew hat bisher anders gespielt.Wir dürfen ihn nicht zu sehr belasten mit allen möglichen Dingen, die er jetzt noch machen soll.Wir müssen aufpassen, damit er seine Kreativität nicht verliert.Er lernt jetzt einige Sachen.Bogojevic spielt ganz gut, aber ich gebe trotzdem Karassew mehr Spielzeit, damit er sich sicher fühlt.Welp hat sich schnell integriert.Er kennt alle Spieler.Außerdem ist es leichter, einen Center zu integrieren als einen Spielmacher.Was ihm fehlt: Christian muß seine Defense verbessern.In der Offense reichen manchmal zwei Leute, um Erfolg zu haben.In der Defense sind alle gefordert. TAGESSPIEGEL: Was ist dran an den Gerüchten über Detlef Schrempf und Alba? PESIC: Wir haben gesprochen, ob es nicht möglich wäre für ihn, in Berlin zu spielen.Mein Konzept hat ihm gefallen.Sein Vertrag in Seattle läuft noch zwei Jahre.Wenn er im Basketball-Geschäft bleiben will, habe ich ihm gesagt, wäre es nicht schlecht, eine Station in Deutschland einzulegen.Wir würden ihn gern haben.Er braucht nur Europaliga zu spielen.Davon war er überrascht.Es soll weiter Kontakt gehalten werden.Er will es sich überlegen.Warten wir ab. TAGESSPIEGEL: Wie lange können Sie sich vorstellen, als Trainer in Berlin zu bleiben? Sie haben die Meisterschaft gewonnen, den deutschen Pokal, einen Europapokal. PESIC: Die Frage ist, wie ist die Motivation? Es geht dabei nicht nur um Resultate, auch um die Weiterentwicklung der Mannschaft.Jetzt ist für mich ist das Wichtigste, daß wir noch einmal Meister werden.Das wäre der Beweis für unsere Qualität. TAGESSPIEGEL: Als Sie hier anfingen, haben Sie die Vision gehabt, eine Mannschaft für Europa aufzubauen.Das ist geglückt.Haben Sie nun eine neue Vision? PESIC: Ich habe gedacht, daß wir es in Berlin geschafft haben, daß man sich mit uns identifiziert.Wir sind zum populärsten Verein der Stadt geworden.Wir haben ein Telegramm von Kohl bekommen, einen Empfang bei Bürgermeister Diepgen.Doch ich glaube, daß Basketball in Berlin sich nicht weiterentwickeln kann ohne eigene Halle.Wir haben keine medizinische Abteilung, wir haben keinen Kraftraum, keinen Raum für mich.Für mich sind das Zustände wie im 19.Jahrhundert.Natürlich können wir damit leben.Aber wenn wir mehr wollen, dann reicht das nicht.Die Situation ist Demotivation für mich.Und was ist mit der Idee, Basketball für mehr Jugendliche möglich zu machen? Wenn wir in Europa noch etwas erreichen wollen, müssen wir eine eigene Halle bauen.Es gibt keinen anderen Weg.Das ist mein Wunsch, mit Hilfe von Sponsoren, mit Hilfe der Familie Schweitzer (Hauptsponsor von Alba, d.Red.), aber das wird sehr schwer.

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