Sport : Im Jubel das Fairplay vergessen. Ärger nach Birdie-Put

Stefan Liwocha

Nach einer drei Tage dauernden Zitterpartie konnten die Gastgeber doch noch die Champagnerkorken knallen lassen. In den Freudencocktail mischten sich lautstarke U-S-A-Schlachtrufe der 30 000 Fans, die ihre auf dem Grün tanzenden Golfhelden hochleben ließen. "Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen", strahlte Tiger Woods, "es ist ein unglaubliches Gefühl." Unglaublich aber wahr. Nach einem 6:10-Rückstand gegen Europa rissen die US-Boys ein längst verloren geglaubtes Ryder-Cup-Duell noch aus dem Feuer. Denkbar knapp mit 14,5:13,5 triumphierte das US-Starensemble und entriss den Europäern noch die vergoldete Trophäe.

Es war ein Erfolg, der ans Herz ging und US-Kapitän Ben Crenshaw zu Tränen rührte. "Ich bin unendlich stolz auf diese Jungs, an die ich immer geglaubt habe", meinte der Teamchef, "dies ist der schönste Tag in meinem Leben." Unter den Augen der prominenten Golffans Michael Jordan und Ex-Präsident George Bush spielte am Ende nicht etwa der spanische Wunderknabe Sergio Garcia die Heldenrolle, sondern mit Justin Leonhard ein US-Boy, den ein TV-Kommentator nach dem schlechten Abschneiden anfangs "nach Hause" schicken wollte. "Ich bin froh, dass ich dem Ratschlag nicht gefolgt bin", meinte der Amerikaner, der nach Gewinn des entscheidenden halben Punktes von seinen Teamkameraden stürmisch umarmt wurde.

Es war das emotionale Dankeschön für Leonhards tolles Comeback im Einzel-Wettbewerb gegen Jose Maria Olazabal. Am elften Loch des Matchplays hatte der 27jährige British-Open-Sieger (1997) bereits mit vier Löchern im Rückstand gelegen. Doch dann gewann Leonhard urplötzlich vier Löcher in Folge, glich gegen Olazabal aus und krönte seine Leistung mit einem versenkten Birdie-Putt aus 15 Metern am 17. Loch. Ein goldener Treffer mit Folgen - Teamkameraden und Caddies sprangen zu Leonhard aufs Grün und feierten den Helden. Doch der Jubel widersprach jeglichem Fairplay. Denn Olazabal hatte mit einem Birdie-Putt aus acht Metern noch die Chance, die drohende Niederlage abzuwenden. Erst als der zweifache Masters-Champion das Ziel knapp verfehlt hatte, lagen die USA uneinholbar vorn. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Normalerweise zeigt man seinem Gegner Respekt", schimpfte Olazabal, und der Schotte Colin Montgomerie sprach von einer "Frechheit". Die Gastgeber entschuldigten sich später halbherzig: "Es war sicher nicht richtig", erklärte Tom Lehman, "aber manchmal tragen einen die Emotionen davon."

Vor zwei Jahren beim "Drama in Valderrama" gewannen die Europäer mit dem gleichen knappen Ergebnis und auch diesmal hätten sie dem USA-Starensemble einen Streich spielen können. Doch ausgerechnet Sergio Garcia, der an den ersten Tagen Tiger Woods die Schau stahl, konnte den letzten Akt seines vermeintlichen Heldenstückes nicht vollenden. Der mit 19 Jahren jüngste Spieler in der Geschichte des Ryder Cups verlor sein Einzel gegen Jim Furyk deutlich. Dennoch erntete er für sein couragiertes Auftreten wie das gesamte Team viel Lob.

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