Sport : Im Kinderladen die Kurve bekommen

Friedhard Teuffel

Viel ist in diesen Tagen von Toleranzgrenzen gesprochen worden. Fünf Millimeter oder zehn Millimeter? Oder doch siebzehn? Aber irgendwo sollte die Toleranz ein Ende haben. Deshalb ist es jetzt, kurz vor dem großen Finale, endlich Zeit für eine klare Aussage: Formel 1 ist der letzte Müll. Sich zusammengeschweißte Blechbüchsen anzuschauen, die stinkend und wie verreckende Ochsen jaulend immerfort im Kreis fahren - total bescheuert. Aber das ist alles nicht neu und ändern, ja ändern wird diese Anklage auch nichts mehr. Wer einmal zu viel abbekommen hat vom Abgas, vom Ferrari-Rot und Reifenabrieb, wer einmal im Kreisverkehr gelandet ist, anstatt geradeaus weiterzufahren, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Deshalb durchzieht ein tiefer Riss diese Gesellschaft.

Entstanden ist dieser Riss, als wir alle in der Grundschule waren. Das kam zum Beispiel so: Es war damals kurz vor Weihnachten. Ich war vielleicht acht und wollte einen Wunschzettel schreiben. Also bin ich mit meinem Vater zum Kinderladen gegangen, mal die Auswahl anschauen. Kinderladen, so hieß das größte Spielwarengeschäft der Stadt. Ich ahnte natürlich nicht, dass ich an diesem Tag eine Entscheidung treffen würde, die mein ganzes Leben beeinflussen sollte. Im Erdgeschoss lagen jedenfalls zwei Abteilungen nebeneinander, die mit den Matchbox-Autos, Parkhäusern und Carrerabahnen und die mit den Modelleisenbahnen. Für mich stand sofort fest: Ich wollte eine Carrerabahn. Da flitzten die Autos so schnell, und die Loopings waren sowieso das Größte. Aber mein Vater sagte: Von einer Eisenbahn hast Du mehr. Die wird nicht so schnell langweilig und staubt nicht in der Ecke ein. Verstanden habe ich das nicht, sondern bloß gequengelt, dass die Carrerabahn besser sei.

Auf dem Heimweg habe ich es mir dann anders überlegt. Irgendwann habe ich auch eine Modelleisenbahn bekommen. Damit waren die Weichen dann gestellt. Ich war geimpft gegen die Seuche Motorsport. Die Texte über Autorennen im Sportteil habe ich nie gelesen und bei den PS-Diskussionen auf dem Schulhof immer weggehört. So ein Automobil ist nun mal ein Fortbewegungsmittel. Für Lokomotiven-Rennen würde sich ja auch niemand interessieren. Damit war ich natürlich in der Minderheit. Wenn mir einer besonders blöde gekommen ist, habe ich ihn meistens gefragt, ob er eine Carrerabahn zu Hause habe. Dann war alles klar. Angefreundet habe ich mich dafür mit Thomas. Der wollte früher unbedingt mal ein Kettcar haben. Daraus ist dann ein Fahrrad geworden.

Bald ist wieder Weihnachten. Und mit dem passenden Geschenk, liebe Eltern, können Sie Ihr Kind schon früh aufs richtige Gleis bringen.

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