Sport : Im kleinen Stil

Die Bayern kommen wieder mit minimalem Einsatz zum Erfolg und gewinnen in Frankfurt 1:0

Josef Schmitt[Frankfurt]

Jedes 1:0 des FC Bayern München hat zwei Seiten. Die eine ist: Vom Deutschen Meister wird mehr erwartet, mehr Souveränität, ein größerer Vorsprung, denn was ist ein 1:0 wert, wenn der Gegner in der letzten Minute das Tor berennt und noch den Ausgleich erzielt? Die andere Seite ist: Ein 1:0 ist ein ausgesprochen präzises Ergebnis, und ein wenig Souveränität steckt doch darin. Ein Gegentor haben die Bayern schließlich nicht zugelassen. Die Doppeldeutigkeit des Ergebnisses griff auch Manager Uli Hoeneß auf, nachdem die Münchner am Dienstagabend bei der Frankfurter Eintracht gewonnen hatten, 1:0 (0:0). „Wir haben im Moment einen Lauf. Wenn man so einen Lauf hat, hat man auch das entsprechende Glück. Allerdings hat man keinen Lauf ohne die entsprechende Klasse.“

Der Erfolg in Frankfurt war nun schon der 15. Bundesligasieg in Serie, auch wenn es diesmal nur gegen einen Bundesliganeuling ging. Der zeigte allerdings eine große kämpferische Leistung und wurde von den 50 000 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Commerzbank-Arena auch nach der Niederlage gefeiert. Am meisten Grund zum Feiern hatte freilich Paolo Guerrero, der in der 72. Minute nach einer Flanke von Mehmet Scholl das Siegtor per Kopf erzielte. Die Frankfurter hatten vor der Pause die Führung bei zwei großen Chancen von Arie van Lent verpasst.

Die Bayern, die auf Michael Ballack, Owen Hargreaves und Claudio Pizzaro verzichten mussten, ließen den Ball spielend kreiseln. Die Eintracht ließ das größtenteils zu. Diese Taktik hatte ihr Trainer Friedhelm Funkel wohl ganz bewusst gewählt. Erst kurz vor dem eigenen Strafraum attackierten die Frankfurter ihre Gegenspieler und gingen damit das Risiko ein, von hohen Flanken überrascht zu werden. Doch mit Marko Rehmer, Chris und Aleksandar Vasoski verfügt der Aufsteiger über ein kopfballstarkes Trio im Zentrum. Die Frankfurter Doppelspitze mit Ioannis Amanatidis und dem überraschend in die Anfangsformation zurückgekehrten Arie van Lent hatte in erster Linie die Aufgabe, das Aufbauspiel des Meisters zu unterbrechen, mindestens aber zu erschweren. Dies gelang mit fortschreitender Zeit in der ersten Halbzeit immer besser.

Die Bayern also spielten überlegen, die größten Chancen aber hatten die Frankfurter. In der 13.Minute war Arie van Lent nach einem Pass von Jermaine Jones Ismael entwischt, behielt aber völlig alleine vor Oliver Kahn nicht die Nerven und drosch den Ball vorbei. Sekunden vor der Pause hatte wieder van Lent das 1:0 auf dem Fuß. Diesmal war die Aufgabe ungleich schwerer, denn der abgeprallte Ball hatte viel Effet, van Lent verzog wohl auch deshalb weit. Und die Bayern? Trotz Überlegenheit kamen sie nur zu einer Großchance: Ali Karimi hatte sich in der 28.Minute durchgesetzt, seine Hereingabe versuchte Salihamidzic mit der Hacke ins Tor zu lenken. Torwart Oka Nikolov war geschlagen, doch Christoph Preuß hatte aufgepasst und rettete vor der Linie.

In der zweiten Halbzeit herrschte ein anderes Bild. Die Bayern zogen sich zurück und überließen nun den Gastgebern teilweise das Mittelfeld. Die Eintracht zeigte ein engagierte Leistung. Dennoch: Das Tor des Abends erzielten die Bayern, und Trainer Felix Magath konnte wenigstens auf seine Einwechslung stolz sein. Er hatte Guerrero in der 66. Minute für Salihamidzic aufs Feld geschickt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben