Sport : Im Land des Jubelns

Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt zum Auftakt ihrer Asienreise 3:0 gegen Japan – mit einem überragenden Michael Ballack

Moritz Müller-Wirth[Yokohama]

Oliver Kahn hatte sich nach dem Abpfiff ein Handtuch um die Schultern gelegt, wie es manche Boxer nach einem erfolgreichen Kampf tun. Der deutsche Nationaltorwart vom FC Bayern München hatte gestern seinen ganz persönlichen Kampf gewonnen. Nicht einen Gegentreffer hatte er beim 3:0 (0:0)-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan vor 61 805 Zuschauern im International Stadium von Yokohama hinnehmen müssen. 900 Tage nach seinem Fehler im WM-Finale, der die 0:2-Niederlage gegen Brasilien eingeleitet hatte, hat er dieses traumatische Erlebnis hinter sich gelassen. Zuvor hatte er sich gefragt, was er wohl empfinden würde, wenn er in diese Arena zurückkehre. „Es ist, wie es immer im Leben ist – die Vergangenheit ist vorbei“, sagte Kahn und verließ den Rasen nach seinem 75. Länderspiel wie ein Sieger.

In den Vormittagsstunden war es nicht ganz so erfreulich gewesen für den 35 Jahre alten Torwart. Bundestrainer Jürgen Klinsmann traf sich mit dem früheren Mannschaftskapitän im Mannschaftshotel zu einer Aussprache. Der Grund dafür war eine Kahn’sche Extratour. Als einziger Spieler der deutschen Delegation hatte Kahn seine Freundin nach Yokohama einfliegen lassen, was mit Jürgen Klinsmann so nicht abgesprochen war und einige Mitspieler irritiert hat.

Nach dem Gespräch zwischen Kahn und Klinsmann war dieses Thema dann aber erledigt, zudem konnte Kahn den zwischenzeitlichen Zwist mit Franz Beckenbauer beilegen. Beide waren aneinander geraten, nachdem Beckenbauer einen Zusammenhang zwischen Kahns Alter und dessen jüngstem Fangfehler im Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart gesehen und ausgesprochen hatte. Am Tag des Spiels wollte Beckenbauer davon nichts mehr wissen. „Das Verhältnis zwischen uns ist völlig ungetrübt“, sagte Beckenbauer. Kahn jedenfalls machte nach dem Spiel einen entspannten Eindruck.

Die Mannschaft des dreimaligen Asienmeisters stellte den nicht unumstrittenen Torwart kaum vor echte Bewährungsproben. Nur eine kleine Unsicherheit unterlief ihm, als er eine scharfe Hereingabe von Kaji Mitte der ersten Halbzeit nicht festhalten konnte. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Deutschen schon 2:0 führen müssen. Erst wurde ein Schuss vom überragenden Kapitän Michael Ballack von der Torlinie gekratzt, kurz darauf scheiterte Gerald Asamoah mit einem Hackentrick. Die Überlegenheit der DFB-Elf drückte sich erst in der zweiten – wesentlich besseren – Hälfte in Toren aus.

Wieder war es Ballack, der mit einem Freistoß den japanischen Torwart Narazaki in Schwierigkeiten brachte. Den von Narazaki abgeprallten Ball verwertete Miroslav Klose zur Führung für die deutsche Mannschaft. Der Bremer, der an der Seite von Asamoah und dem schwachen Zweitligaspieler Lukas Podolski stürmte, erzielte in der Nachspielzeit auch noch das 3:0. In der Zwischenzeit hatte Ballack mit einem herrlichen Schuss in den Winkel zum 2:0 getroffen. Für den Münchner war es der erste Treffer unter dem neuen Bundestrainer.

Jürgen Klinsmann hatte in seinem fünften Länderspiel als Trainer wieder drei Spieler debütieren lassen. Patrick Owomoyela (Arminia Bielefeld) und Christian Schulz (Werder Bremen) besetzten in der Vierer-Abwehrkette von Beginn an die Außenbahnen. Eine Viertelstunde vor Schluss kam mit Marco Engelhardt (1. FC Kaiserslautern) ein weiterer Neuling ins Spiel. „Ein Riesen-Kompliment an alle, vor allem an Engelhardt, der nach seiner Einwechslung so gespielt hat, als wäre er schon ewig dabei. Man hat gesehen, dass bei uns etwas Tolles heranwächst“, sagte Klinsmann.

Der 40-Jährige war gegen Japan erstmals von seinem 4-4-2-System abgewichen und hatte auf ein 4-3-3 umgestellt. Mit dem bekannten System habe man in den ersten Spielen gute Ergebnisse erzielt, „aber auch ein Dreiersturm ist eine ausbaufähige Variante für die Zukunft“, sagte Klinsmann.

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