Sport : Im Lauf der Zeit - Der Frauensprint erreicht eine neue Qualität (Kommentar)

jöwe

Die 100-m-Bestzeit der vor knapp einem Jahr verstorbenen Florence Griffith-Joyner (USA) galt über rund ein Jahrzehnt hinweg als ein Jahrhundert-Weltrekord und als in absehbarer Zeit von keiner Sprinterin erreichbar.

Doch was Marion Jones schon 1998 ankündigte, setzte sie nun in Sevilla fort: Sie nähert sich dem Rekord von 10,49 Sekunden immer ein bisschen mehr. In diesem Jahr wird die 23-Jährige diese Zeit nicht mehr erreichen, doch vielleicht fällt die Marke schon im Olympiajahr 2000. Zwar ist die US-Amerikanerin in Sevilla im Endlauf nicht an ihre Bestzeit von 10,65 Sekunden, die sie 1998 in Johannesburg in leistungsfördernder Höhenluft erzielt hatte, herangekommen. Doch wenn sie im Finale ähnlich locker wie im WM-Zwischenlauf tags zuvor geblieben wäre und dazu anstelle eines minimalen Gegenwindes einen guten, zulässigen Rückenwind gehabt hätte, dann wären die Uhren wohl im Bereich von gut 10,50 Sekunden stehen geblieben. So darf man sich also schon einmal darauf einstellen, dass bald nicht nur vom 100-m-Weltrekord der Männer die Rede sein wird.

Denn der Frauensprint hat nicht nur durch Marion Jones längst eine neue Qualität erreicht. Inger Miller (USA) steigerte bei der Weltmeisterschaft ihre Bestzeit drei Mal und lief im Finale 10,79 Sekunden, die Griechin Ekaterini Thanou verbesserte sich auf 10,84 und kündigte für das Jahr 2000 Zeiten unter 10,80 an. "Die schnellen Zeiten sind toll für die Frauen-Leichtathletik", sagt Marion Jones.

Doch bei Thanou denkt man auch an eine Situation vor zweieinhalb Jahren, als sie zu der griechischen Trainingsgruppe gehörte, die in Deutschland Reissaus nahm, als überraschend ein Dopingkontrolleur eingetroffen war. Und natürlich: Bei der Frage, ob ein Mensch auf natürliche Weise überhaupt so schnell laufen kann, gibt es angesichts der vielen Spitzenzeiten und der positiven Dopingproben der letzten Wochen zunehmend Zweifel. jöwe

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