Sport : Im Mannschaftskeller

Herthas Fußballer haben eine neue Kabine im Olympiastadion – wir haben sie uns angeschaut

André Görke

Berlin - Der Fahrstuhl hält auf Ebene Minus 4. Willkommen im Keller des Olympiastadions. Unterhalb der neuen Haupttribüne verläuft ein schmaler Flur, neben der ersten dunklen Tür steht die Aufschrift: „Umkleide A“. Das ist die Kabine von Hertha BSC. Am Sonntag werden sich die Fußballer erstmals dort umziehen, bevor sie um 16 Uhr gegen Besiktas Istanbul antreten. Die Spieler haben die Mannschaftskabine gestern Abend schon kurz bei der Eröffnungsfeier des Olympiastadions sehen dürfen. Doch da lagen noch keine Handtücher aus, keine Badelatschen, es hing auch kein Zettel von Trainer Falko Götz an der Wand. „Wir sind gespannt“, sagt Thorben Marx.

Von nun an profitieren die Spieler vom vierjährigen Umbau der Arena. In der vergangenen Saison hatten sie sich noch in einer kargen Kabine unterhalb der Westkurve umgezogen. „Jetzt ist alles großzügiger und schicker“, sagt Jochen Köhn, Gesamtprojektleiter des Architekten-Büros von Gerkan, Marg und Partner. Herthas neue Kabine misst 260 Quadratmeter, weil auch Football-Teams darin Platz finden sollen. Trainer Falko Götz und sein Assistent Andreas Thom teilen sich den ersten Raum, eine Tür weiter befindet sich das Umkleidezimmer, in dem Tom Riedel die Hertha-Trikots an die Haken hängt.Riedl ist seit acht Jahren Herthas Zeugwart. Wenn die Spieler zwei Stunden vor Anpfiff vor ihrem Potsdamer Hotel in den Bus steigen, packt Riedl längst seine Kisten im Stadion aus. Jeder Spieler bekommt Laufschuhe, zwei Paar Fußballschuhe und Badelatschen. An den Haken hängen Leibchen, Hemden, Trainingsanzüge. Wenn die Spieler um 14.30 Uhr aus dem Bus klettern und durch einen Tunnel zu ihrer Kabine laufen, haben sie nur eine Kulturtasche dabei. Trikots und Schuhe reinigt Riedl. Seine Arbeit endet vier Stunden nach Abpfiff.

Jeder Spieler hat so seine Macken: Andreas Neuendorf etwa soll sich immer zuerst den linken Stutzen anziehen, Andreas Schmidt trägt ein altes Unterhemd, und Dick van Burik legt sich vor Abpfiff immer als Erster auf die Massagebank. Vor fünf Jahren lief in der Kabine noch Musik, von Riedl ausgesucht. Vor dem Anpfiff hatte der 38-Jährige die Toten Hosen aufgedreht oder Lieder von Rammstein gespielt. Heute ist noch nicht klar, ob die Spieler Musik hören wollen.

Schlicht und schick sieht die neue Kabine aus mit ihren Schränken aus Eichenholz. Dieser Farbton wurde in allen VIP-Räumen des Stadions gewählt. Das Entmüdungsbecken ist gekachelt. Dort lassen sich die Spieler nach dem Spiel hineinfallen. In der alten Kabine gab’s nur Duschen.

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