Sport : Im Namen der Liga

Helmut Schümann

Es geht wahrscheinlich nicht um Geschmacksfragen, wenn die Deutsche Fußball-Liga im Sommer das Namensrecht an der Bundesliga veräußert. Zu erwarten sind eher die schrecklichsten Wortkombinationen, eine, so heißt es offiziell, sei aber kein Thema: Die Deutsche-Bahn-Liga. Das Unternehmen ließ eine entsprechende Meldung der „Bild am Sonntag“ gestern dementieren. Zum Glück. Deutsche-Bahn-Liga – großer Gott, dann werden womöglich die Spiele verspätet angepfiffen. Und wer soll dann bei den Eintrittspreisen noch durchblicken? Hoffentlich bleibt es beim Dementi. Beim derzeitigen Leistungsstand der Liga kommt stimmig ohnehin nur die Obi-Liga in Frage. Schließlich hat Franz Beckenbauer oft bemäkelt, dass in der Liga zu viele Handwerker rumliefen. Kunst-Bedarf-Liga wäre auch inhaltlich passend, klingt aber furchtbar.

50 Millionen Euro will die Liga für dieses Recht haben, und da werden auch diese Zeilen unwirksam verpuffen. Es werden auch keine Fan-Proteste helfen, keine Petitionen. Und wenn dann im kommenden Jahr wieder das Unwort des Jahres gewählt werden wird, dann wird die Xypsilon-Liga große Nominierungschancen haben. Bekümmern aber wird es weder Klubs noch Ligachefs, sie werden nur darauf verweisen, dass sprachpäpstlicher Kulturpessimismus keine Tore schießt. Nach all den Arenen, die doch, auch wenn da TuiLuiPfui vor steht, einfach nur Fußballstadien sind, werden wir uns auch an das neue Liga-Ungetüm gewöhnen müssen. Traurig, aber wohl nicht zu ändern, und nur ein schwacher Trost, wenn Verspätungen ausbleiben.

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