Sport : Im Namen der Spannung

Auf Schalke 04 lasten derzeit viele Hoffnungen

Richard Leipold

Gelsenkirchen - Für Gerald Asamoah war dieser Sieg besonders wichtig: „Ich war es leid, ständig gegen italienische Mannschaften zu verlieren“, sagte der Schalker Nationalstürmer in Anspielung auf das 1:4 der deutschen Elf unlängst in Florenz. Nachdem auch Bayern München (gegen AC Mailand) und Werder Bremen (gegen Juventus Turin) Opfer italienischer Klubs geworden waren, kämpfte sich der FC Schalke 04 am Donnerstagabend als einziger Bundesligaverein ins Viertelfinale eines europäischen Wettbewerbs vor. Dank eines 3:0 im Rückspiel bezwangen die Schalker, die auswärts 0:1 verloren hatten, im Uefa-Pokal den US Palermo. Auch wenn das Spiel in Florenz „nicht vergessen“ und Palermo nur Zehnter der Serie A sei, „kann man sagen, dass die Ehre ein bisschen wiederhergestellt ist“, sagte Asamoah. Schalke trifft in der Runde der letzten acht auf Lewski Sofia: am 30. März in Bulgarien und am 6. April in der heimischen Arena.

Wie im Europapokal kann sich Schalke auch in der Bundesliga zum Anwalt einer großen Gemeinde machen. Vor dem Auswärtsspiel gegen den zuletzt nicht souveränen, aber klar führenden FC Bayern vertreten sie die Interessengemeinschaft der Verfolger. Schalkes Trainer Mirko Slomka rechnet mit Zuspruch aus allen Himmelsrichtungen. „Viele Fans, auch die im hohen Norden, drücken uns die Daumen, obwohl wir mit Hamburg und Bremen um einen Platz in der Champions League konkurrieren. Alle wünschen sich doch, dass die Bundesliga spannend bleibt.“ Besser gesagt: dass sie wieder spannend wird. Sollte Hamburg in Wolfsburg gewinnen und Schalke in München, verkürzten die zweitplatzierten Hanseaten den Rückstand auf drei Punkte, und selbst Schalke hätte bei dann noch fünf Punkten Abstand eine kleine Titelchance.

Wer könnte diese von Konjunktiven durchsetzte Sehnsucht besser verkörpern als Gerald Asamoah? Gegen zehn Sizilianer wies er den Torschützen Sören Larsen (72.) und Mimoun Azaouagh (80.) den Weg und animierte seinen Trainer dazu, ihn öffentlich zum Hauptgewinner unter lauter Siegern zu erklären. „Ich möchte ihn hervorheben, weil er mit unglaublicher Leidenschaft gespielt und Tore vorbereitet hat.“

Gut für Schalke, dass auch das Spiel in München für Asamoah eine Frage der Ehre ist – zumindest ein bisschen. „Ich mag die Bayern nicht, aber ich hasse sie auch nicht, es gibt Schlimmere“, sagt der Angreifer, der in der vergangenen Saison in München das Siegtor erzielt hat. Sein Vorgesetzter warnt jedoch. „Wir dürfen nicht so arrogant sein, zu glauben, dass wir jetzt jeden Gegner besiegen“, sagt Slomka. „Es wird äußerst schwer.“ Aber gute Anwälte gewinnen manchmal eben auch schwierige Prozesse, zumal wenn es um die Ehre geht – wenigstens ein bisschen.

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