Sport : Im Niemandsland

Wie die Basketball-Bundesliga nach Quakenbrück kam

Ulrich Hartmann

Quakenbrück. Wenn der Basketball-Manager Marko Beens erklären will, wie klein das niedersächsische Städtchen Quakenbrück ist und wie groß dessen Errungenschaften im Basketball sind, dann stellt er zwei lustige Rechnungen auf. Erstens: Wenn man alle Einwohner von Quakenbrück in die Kölnarena steckte, wären immer noch 5500 Plätze frei in der größten deutschen Basketball-Halle. Zweitens: Wenn die neue Quakenbrücker Artland-Arena ausverkauft ist, dann ist fast ein Viertel der Stadtbevölkerung beim Basketball live dabei.

In Quakenbrück wohnen 13000 Menschen, in die Artland-Arena passen 3000 und in die Kölnarena 18500. Man sieht daran, dass es schon allerhand Zahlen braucht, um zu veranschaulichen, dass dieser Neuling der Basketball-Bundesliga namens Artland Dragons aus Quakenbrück etwas ganz Besonderes ist. Nämlich der zweitkleinste Basketball-Bundesliga-Standort aller Zeiten und trotzdem ein ernst zu nehmender Gegner aus dem Niemandsland zwischen Oldenburg und Osnabrück. Am Samstag (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) kommt der Zwerg aus dem Artland zum Riesen Alba nach Berlin. „Alba, das ist eine andere Liga“, sagt Quakenbrücks Trainer Chris Fleming.

Das ist jedoch nach der jüngsten Niederlage der Berliner (siehe Kasten) der Tabelle noch nicht anzusehen, dürfte sich aber spätestens am Saisonende zeigen, an dem Berlin als Meister und Quakenbrück als Nichtabsteiger dastehen will. Immerhin bezwang Quakenbrück zuletzt jene Gießener 91:64, gegen die die Berliner zum Saisonauftakt verloren hatten. Der 33-jährige Manager Marko Beens und der gleichaltrige Trainer Chris Fleming haben Quakenbrück nach sieben Jahren Zweiter Liga in die oberste Spielklasse geführt. Gemeinsam haben sie mit einem Saisonetat von geschätzten 1,5 Millionen Euro mit 14 Spielern aus sieben Nationen eine starke Mannschaft zusammengestellt.

In deren Mittelpunkt steht ein Held namens Michael Jordan. Der Amerikaner ist aber nur zufällig ein Namensvetter des großen „Air“ Jordan und vor einem Jahr aus dem spanischen Murcia nach Quakenbrück gewechselt. In der vergangenen Zweitligasaison hat er 22,2 Punkte pro Spiel beigetragen zu den 30 Siegen in 30 Spielen. Dass nun alles gut wäre im schönen Artland, hat sich allerdings als Mär herausgestellt. Einen Tag vor dem Spiel gegen Gießen hat sich der Verein „aus persönlichen Gründen“ vom Neuzugang Pero Vasiljevic getrennt und Hakeem Ward und Silvio Turkovic verpflichtet. Im idyllischen Quakenbrück wird nämlich genauso kühl entschieden wie anderswo auch.

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