Sport : Im Regen stehen gelassen

Der Ausreißer Bram Tankink gewinnt die erste Etappe der Deutschland-Tour – Jan Ullrich mit allen Favoriten im Hauptfeld

Hartmut Scherzer[Plauen]

Auf den letzten 1000 Metern sah sich Bram Tankink immer wieder um. Der Niederländer wollte ganz sichergehen, dass sich im strömenden Regen nicht doch noch einer seiner beiden Fluchtgefährten wieder herangefahren hatte. Das Hauptfeld war zu weit weg, um den Sieg des Niederländers bei der ersten Etappe der Deutschland-Tour von Altenburg nach Plauen zu verhindern. Und auch die beiden Fahrer, mit denen Tankink lange Zeit in Führung gelegen hatte, konnten seinem letzten Antritt nicht mehr folgen. Der Spanier Juan Cobo Acebo und Bernhard Eisel aus Österreich hatten im Ziel 50 Sekunden Rückstand, das Hauptfeld mit allen Favoriten kam mehr als drei Minuten nach Tankink ins Ziel. Der 26-Jährige wird nach seinem ersten Sieg in fünf Profijahren am Dienstag das Gelbe Trikot tragen.

Schon früh war Tankink dem Hauptfeld entflohen. Kurz nach der „Steilen Wand von Meerane“, einem bereits durch die Friedensfahrt bekannten Anstieg, gelang es drei Ausreißern, sich abzusetzen. Nach 23 Kilometern startete Eisel vom Team Francaise des Jeux den Angriff, Tankink vom Quick-Step-Team und Cobo Acebo vom Team Saunier-Duval schlossen zu ihm auf. Gemeinsam bauten die drei Führenden ihren Vorsprung kontinuierlich aus, zeitweise waren es sogar fast zehn Minuten. Das Feld mit den beiden deutschen Mannschaften T-Mobile und Gerolsteiner unternahm nichts, um das Fluchttrio wieder einzufangen. „Alle Kandidaten für den Gesamtsieg sind zusammen geblieben“, sagte T-Mobile-Teammanager Olaf Ludwig. Durchnässt und fröstelnd verschwanden die Rennfahrer sofort in ihren Bussen, nachdem sie ins Ziel gekommen waren. Trotz des schlechten Wetters waren sie von vielen tausend Fans auf der Strecke angefeuert worden.

Im Hauptfeld war es auf dem regennassen Asphalt immer wieder zu Stürzen gekommen, die jedoch meist glimpflich ausgingen. Nur der Schweizer David Loosli verletzte sich so schwer am Knie, dass er aufgeben musste.

Manches zum Auftakt der Deutschland-Tour erinnerte an die Tour de France. Jan Ullrich stieg wie bei der ersten Etappe in Frankreich auch gestern mit dem inzwischen fast schon obligatorischen Handicap aufs Rad. Er war hörbar erkältet, wie auch vor der Tour de France im vergangenen Jahr. „Ich konnte weniger trainieren, hatte aber kein Fieber, trotzdem schlaucht das“, sagte Ullrich. Er radelte gestern nicht in der üblichen magentafarbenen Montur seines Sponsors durch die Landschaft, sondern in Schwarz. Diese Regenjacke sei wärmer, lautete die Begründung für den ungewöhnlichen Farbwechsel. Mit wadenlanger Hose schützte sich der kränkelnde Star zusätzlich gegen die kalte Nässe. Auch den anderen Favoriten war die erste Etappe zu ungemütlich für Antritte und Angriffe.

Zudem sind wegen des anspruchsvollen, welligen Gesamtprofils der Deutschland-Tour nur wenige der prominenten Sprintspezialisten am Start, Stars wie Alessandro Petacchi oder Erik Zabel fehlen. Das erhöht auch in den nächsten Tagen die Chancen für Ausreißer, nicht eingeholt zu werden, weil nur wenige Mannschaften ein besonderes Interesse daran haben, ihre Sprinter für eine Massenankunft in eine gute Position zu bringen.

Einer der Schnellste der 162 Radprofis im Sprint ist Bernhard Eisel. Um einem Finale zu entgehen, in dem er gegen Eisel keine Chance gehabt hätte, attackierte Bram Tankink 15 Kilometer vor dem Ziel seine beiden Fluchtgefährten. Kurz darauf rutschte er in einer Kurve weg und stürzte, doch der Niederländer sprang schnell wieder auf sein Rad und setzte sich weiter ab. Die unsicheren Blicke nach hinten verwandelten sich im Ziel in das Lachen eines überraschten Siegers.

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