Sport : Im Reich der Scheichs

Schalkes Neueinkauf Ailton wird Nationalspieler von Katar – Manager Assauer ist darüber nicht erfreut

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Der FC Schalke 04 bekommt in Ailton nicht nur den derzeit erfolgreichsten Torjäger der Fußball-Bundesliga, sondern auch einen Nationalspieler in spe – und das ohne einen Cent dazuzahlen. Dennoch sind die Westfalen nicht begeistert über die bevorstehende Länderspielkarriere des Bremer Brasilianers, der in der nächsten Saison nicht nur für Schalke, sondern auch für die Nationalelf von Katar stürmen will. Bereits am 31. März will er in Jordanien sein Debüt als Nationalspieler geben. Die Gelsenkirchener sind irritiert; sie haben aus der Zeitung davon erfahren, dass Ailton beabsichtigt, am Montag nach Katar zu fliegen und dort einen Vertrag bis zur nächsten Weltmeisterschaft zu unterzeichnen – für ein Begrüßungsgeld von einer Million Euro, wie es heißt. Bremen hat die Reise genehmigt. „Mit uns hat er darüber bisher nicht gesprochen“, sagt Rudi Assauer, der Manager des FC Schalke. Es sei „eine Frage des Stils, so etwas mit seinem neuen Arbeitgeber zu besprechen“.

Da der brasilianische Fußball-Verband kein Interesse an Ailton hat, glaubten die Schalker einen Stürmer verpflichtet zu haben, der sich allein der Arbeit für den Klub würde widmen können. Assauer hält von Ailtons Plänen „überhaupt nichts“. Nach dem Regelwerk des Internationalen Fußball-Verbandes müsste Schalke ihn für sämtliche Qualifikationsspiele abstellen.

Auch beim SV Werder ist man nicht unbedingt angetan vom Rummel um den Stürmer, der in Bremen neuerdings „Scheich vom Deich“ genannt wird. „Ich bin davon nicht begeistert, kann und werde das nicht verstehen“, sagt Trainer Thomas Schaaf. „Mich stört vor allem, dass unsere Konzentration auf das wichtige Spiel bei 1860 München darunter leidet.“ Auch Rudi Völler kritisierte in der „Bild“-Zeitung Ailtons Vorhaben. „Die Katar-Nummer ist zu extrem“, sagte der DFB-Teamchef, „wenn das einreißt, brauchst du keine Nationalelf mehr.“

Mehr Verständnis zeigt der Schalker Trainer Jupp Heynckes: „Dass Ailton für Katar spielen will, beunruhigt mich überhaupt nicht. Wir haben so viele Nationalspieler, die ständig unterwegs sind, da kommt es auf einen mehr oder weniger nicht an.“ Ailton habe sich schon nach Bekanntgabe seines Wechsels zu Schalke hochprofessionell gezeigt. Es gebe keinen Grund, warum sich daran etwas ändern sollte. „Ailton hätte es, objektiv gesehen, verdient, für Brasilien zu spielen. Wenn der Junge jetzt andere Gedanken hat, muss man das tolerieren.“

Ailton, ein Wunschspieler von Katars Trainer Philippe Troussier, versucht seinen künftigen Arbeitgeber zu beruhigen. Er wisse, dass Assauer verärgert sei, aber er wisse nicht warum, sagte der Angreifer. „Ich frage mich immer wieder: Was hat Herr Assauer für ein Problem?“, sagt Ailton. „Ich verstehe nicht, dass er sich so aufregt. Würde ich für Brasilien spielen, müsste ich zwölf Stunden lang im Flugzeug sitzen und käme total kaputt nach Deutschland zurück. So fliege ich gerade mal fünf Stunden.“

Die Einbürgerung in Katar scheint reine Formsache zu sein. Und sie bringt dem Zuwanderer, wie vielen Bürgern des Staates, Reichtum. Ailtons Fußballmission soll mit einem Jahresgehalt von 400 000 Euro dotiert sein, „für drei bis vier Länderspiele je Saison“, wie Assauer vermutet. Insofern sei es immer noch besser, als wenn er für Brasilien spielte. Mit dem Geld aus seiner Nebentätigkeit könnte der Brasilianer sich seine Schalker Jahreseinkünfte von drei bis vier Millionen Euro aufbessern. Assauer appelliert, wenn er den Kick für Katar schon nicht verhindern kann, an die soziale Ader des Fußballspielers. „Ich hoffe, dass der Toni so sozial ist, dass er für die Kohle, die er in Katar bekommt, ein paar Arbeiter auf seiner Ranch in Brasilien einstellt."

Mitarbeit: Frank Hellmann

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