Sport : Im Rhythmus des Galopps

Mit der richtigen Intuition und erstmals zwei Frauen im Team gewinnen die Springreiter WM-Gold

Und hopp! Janne-Friederike Meyer ritt mit ihrem Wallach Lambrasco fehlerfrei. Foto: dpa
Und hopp! Janne-Friederike Meyer ritt mit ihrem Wallach Lambrasco fehlerfrei. Foto: dpaFoto: dpa

Lexington - Die deutschen Springreiter jubelten bereits, als der Wettbewerb noch gar nicht beendet war. Und tatsächlich konnten sie sich ihres Sieges schon vor den letzten zehn Startern sicher sein. Denn drei der vier Reiter des Teams beendeten den schweren Parcours fehlerfrei – und nur die besten drei Ergebnisse zählen. 1998 hatte das deutsche Team zum letzten Mal Gold bei einer Weltmeisterschaft gewonnen, dies ist nun insgesamt der dritte Mannschaftssieg bei einer WM. „Zwölf Jahre ist eine lange Zeit“, sagte Trainer Otto Becker. „In dieser Zeit ist viel passiert.“

Verändert hat sich etwa dies: Mit Meredith Michaels-Beerbaum und Nachwuchsreiterin Janne-Friederike Meyer waren erstmals zwei Frauen in einem Team am Start. „Wir haben Geschichte geschrieben“, sagte Michaels-Beerbaum. Beide Reiterinnen absolvierten den Parcours fehlerfrei, die 29 Jahre alte WM-Debütantin Janne-Friederike Meyer sogar als erste Starterin des Teams – durchaus nervös.

„Ich habe ganz schön geflattert“, sagte sie unmittelbar nach dem Goldgewinn. Mit ihrem Pferd Lambrasco hatte sie alle Hindernisse ohne Probleme überwunden. Weil aber nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Pferd nervös war, änderte Meyer ihre Taktik im Parcours spontan. Immer wenn das Publikum schreit, sei Lambrasco „geladen“, erklärte Meyer. Den Schwung ihres aufgeregten Pferdes hatte die junge Reiterin nach schneller Überlegung jedoch nicht mehr stoppen, sondern ausnutzen wollen. So ritt sie etwa zwischen zwei Hindernissen anstelle der vorgesehenen fünf Galoppschritte weniger – sie ließ sich vom Rhythmus des Pferdes tragen, anstatt sich sklavisch an vorher ausgetüftelte Strategien zu halten.

Als auch das zweite Paar, Carsten-Otto Nagel mit Corradina, fehlerfrei geblieben war, lag es an Michaels-Beerbaum und ihrem Pferd Checkmate, den vorzeitigen Sieg zu sichern. „Es könnte nicht besser sein. Ich wusste, ich konnte den Sack zumachen“, sagte die gebürtige Amerikanerin nach dem Ritt. Dass bei Marcus Ehning, dem vierten Starter, eine Stange fiel, spielte anschließend keine Rolle mehr.

„Unglaublich, es war vorher so eng“, kommentierte der Bundestrainer den Erfolg. Am ersten von drei Tagen waren die deutschen unglücklich gestartet, drei Reiter hatten einen Abwurf. Doch von Platz zwei kämpfte sich das Team am zweiten Tag der Springwettbewerbe auf den ersten Platz – und gab ihn nicht mehr her. Silber und Bronze gewannen die Teams aus Frankreich und Belgien.dpa/tja

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