Sport : Im Rhythmus schlagen

Nach überstandener Herzoperation kehrt SCC-Volleyballer Marko Liefke zurück aufs Feld

Karsten Doneck

Berlin. Ein paar kleine Narben sind zurückgeblieben. An der Leiste zum Beispiel. Dort, wo die Ärzte die Katheter eingeführt haben. „Aber die Narben sind minimal“, sagt Marko Liefke, „die wird man in ein paar Wochen nicht mehr sehen.“ Dann ist auch die letzte sichtbare Spur einer Krankheit verschwunden, die Liefke jahrelang behindert hat und ihn zuletzt sogar um seine Karriere als Leistungssportler fürchten ließ.

Der Volleyball-Nationalspieler des SC Charlottenburg litt unter Herzrhythmusstörungen, bei hoher körperlicher Belastung fing sein Herz beängstigend an zu rasen. Bei einem Spezialisten in Heidelberg, einem Cousin des SCC-Managers Kaweh Niroomand, hat sich Liefke dem unabwendbaren operativen Eingriff unterzogen. „Da wurde in der Herzgegend ein Erregungsleiter gefunden, der da nicht hingehört, und der wurde zerstört“, sagt Liefke. Fast drei Stunden dauerte die Operation. Es sei, so sagt der 28-Jährige, „ziemlich anstrengend gewesen, ich habe zeitweise fürchterlich geschwitzt“.

Doch die Geschichte scheint zu einem guten Ende gekommen zu sein. „Ich glaube, die Sache ist jetzt weg, und zwar für immer“, sagt Liefke. Längst spielt er wieder Volleyball. Doch die vier, fünf Wochen Pause hat er nicht so einfach weggesteckt. „Er hat jetzt vielleicht 70 Prozent seines vollen Leistungsvermögens erreicht“, sagt SCC-Trainer Mirco Culic, der dennoch am Sonntag im Spitzenspiel beim TSV Unterhaching nicht auf seinen besten Mann verzichten möchte. Vielleicht auch gar nicht verzichten kann. „Wenn bei den Fußballern von Bayern München der Michael Ballack ausfällt, was soll dann schon groß passieren? Wenn bei uns aber Marko Liefke fehlt, dann ist der einfach nicht zu ersetzen“, sagt Kaweh Niroomand.

Liefke selbst ist erst einmal froh, wieder unbeschwert Volleyball spielen zu können. Und gerade diese Unbeschwertheit macht ihm Hoffnung, auf lange Sicht noch mehr als bisher aus sich herausholen zu können. Die Herzbeschwerden wirkten mitunter bremsend. „Wenn du jedes dritte, vierte Spiel solche Probleme bekommst, dann ist das einfach Scheiße“, sagt Liefke. Manchmal wurde er mitten in einer Bundesligapartie ausgewechselt, legte sich dann neben der Spielerbank der Länge nach auf den Hallenboden und ließ sich vom Arzt behandeln.

„Manche haben in solchen Situationen gedacht, ich hätte eine Kreislaufschwäche oder so etwas wie einen Hungerast“, sagt Liefke. Die wahren Ursachen blieben lange verborgen, „weil die ganzen Belastungs-EKGs nichts gebracht haben. Die Ärzte konnten einfach nichts Handfestes entdecken.“ Meist war das Herzrasen nach einer kurzen Ruhephase wieder vorbei.

Bis es einmal höchst alarmierend wurde: in dieser Saison, im Spiel beim TV Düren. Der SCC verlor die Partie. Weniger, weil die Dürener so stark waren, sondern vielmehr, weil Liefkes Gesundheitszustand sich dort auch den Mitspielern in schockierender Offenheit darbot. „Absolute Lebensgefahr hat nicht bestanden“, sagt Liefke abwiegelnd, aber ein Besuch beim Herzspezialisten ließ sich nicht mehr länger hinausschieben.

Marko Liefke glaubt, jetzt, wo alles überstanden ist und ihn vor den Spielen nicht mehr die Sorge quält, ob das Herzrasen wieder einsetzen wird, dass er künftig befreiter, lockerer Volleyball spielen kann. „Dieser störende Faktor ist jetzt weg. Da überlegt man sich doch: Menschenskind, vielleicht kannst du ja deine Leistung noch mal steigern.“ Warnsignale seines Körpers, sich im Leistungssport in Zukunft etwas zurückzunehmen, empfängt Liefke jetzt nicht mehr. Dazu sind vielleicht auch die zurückgebliebenen Narben zu klein und zu unauffällig.

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