Sport : Im richtigen Moment perfekt

Roy Makaay läßt den FC Bayern in Rostock ahnen, dass seine großen Spiele noch kommen

André Görke

Rostock. Da sprang Roy Makaay nun vor Freude in Hüfthöhe auf Michael Ballack, gleich neben dem Tor des FC Hansa Rostock. Ballack schloss für einen Moment die Augen, er schrie, stützte Makaays Hinterteil mit der linken Hand und drückte den Kollegen eng an die Brust. So standen die beiden Angestellten des FC Bayern für Sekunden an der Torauslinie, in der 86. Minute war das, kurz nachdem Makaay den Ball zum Endstand von 2:1 für die Münchner ins Tor der Rostocker geschoben hatte.

Was für eine Erlösung war das – und was für ein Tor! Als kaum noch jemand im Ostseestadion mit den Bayern rechnete, trieb Claudio Pizarro den Ball vor den Rostocker Strafraum, passte ihn über sieben, acht Meter zu Ballack – zack! – , der ließ ihn sofort klatschen, wieder über sieben, acht Meter – zack! – , die Rostocker Abwehrkette war ausgespielt, und nun stand da Makaay, direkt vor Hansas Torhüter Mathias Schober, der schon zur Grätsche ansetzte und dann wie ein Amateur ins Leere grätschte, weil Makaay den Ball eng am Fuß um den herausstürzenden Torhüter herumführte und souverän einschob. Ein schönes Tor, weil es so elegant und perfekt durchgeführt wurde. „Einfach Weltklasse“, sagte Bayerns Torhüter Oliver Kahn. Und um die Bedeutung dieser Einschätzung richtig werten zu können, muss man wissen, dass Kahn eigentlich nie von „Weltklasse“ spricht.

Aber da wächst in der Tat etwas heran in München. Makaay, der Stürmer, für den die Bayern nach wochenlangen Verhandlungen mit La Coruña 18,75 Millionen Euro überwiesen, ist im Spiel selten zu sehen, viel seltener als der ehemalige Münchner Stürmer Giovane Elber, der viel rannte und viele Tore schoss. Er fällt mit seiner Durchschnittsfrisur nicht so auf wie seine Stürmerkollegen Roque Santa Cruz oder Claudio Pizarro, er ist kein Fußballmodel, wie es David Beckham ist. Und doch haben die Münchner lange nach einem wie dem Niederländer gesucht. „Einen echten Topstürmer“, wie ihn Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld nennt. Auch für Ballack, der in Rostock wieder gezeigt hat, wie smart er sich trotz seiner Länge auf dem Platz bewegen kann. Ganz so, wie es auch Makaay macht.

Ein bisschen wurde ja schon gemault in München. 18,75 Millionen Euro, das sei doch ein wenig viel für einen Stürmer. Und als dann Makaay anfangs nicht traf, wurde die Kritik lauter. Jetzt spielt sich die Mannschaft ein, sie lernt die Laufwege des Kollegen kennen, und mit jedem Tor zahlt Makaay die hohe Ablöse zurück. Fünf Treffer erzielte er in den vergangenen vier Spielen – zwei in der Champions League, drei in der Bundesliga. „Als er am Anfang kritisiert wurde, wusste ich ohnehin schon, dass er einer ist, der die Dinger reinknipst“, sagt Oliver Kahn. „Ein Stürmer, der so wichtige Tore wie heute oder gegen Glasgow macht, ist mir lieber als einer, der im Pokal das sechste Tor schießt.“

Das Tor zum 2:1 in Rostock war wichtig, es bedeutete den Sieg und verschaffte den Münchnern ein bisschen Ruhe. Denn zuletzt lief es nicht gut, zehn Gegentore hatten die Bayern kassiert und in den beiden Spielen zuvor gegen Wolfsburg und Leverkusen „fünf Punkte verschenkt“ (Ottmar Hitzfeld). Natürlich lief es bei den Bayern am Samstag nicht immer so perfekt wie beim Siegtreffer, aber den Münchnern fehlen halt auch acht Nationalspieler. Die wurden am Samstag zwar durch adäquate Kräfte ersetzt, aber die Mannschaft wirkte nicht immer eingespielt.

Dass Hansa Rostock sich zeitweise ein optisches Übergewicht erarbeitete – es ist zu vernachlässigen. Und dass Makaay bis zur 86. Minute eigentlich gar nicht am Ball war und trotzdem auf dem Feld blieb – egal. „Ich brauche halt nicht so viele Bälle“, sagte Makaay nach dem Abpfifff, sehr nüchtern, ohne Arroganz. Prompt lobte er den Superpass seines Kollegen Ballack. Wie ein Superstar wirkt er nicht, dafür ist er zu bescheiden.

Die Tage werden jetzt ruhiger in München, bis zum Dienstag zumindest, da spielt der Deutsche Meister in der Champions League gegen Eindhoven. „Da werden wir wieder an die Schmerzgrenze gehen müssen“, sagte Ballack. Gegen Rostock musste seine Mannschaft das nicht. Es geht also noch besser. Die Eleganz des Siegtreffers, sie ist kein Zufall.

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