Sport : Im Rückspiegel: Der einsame Sieger

Hans Schmalbach

29. März 1981: Rückblickend ist es der Große Preis von Brasilien am Anfang der Saison, bei dem der Kampf um den Titel 1981 entschieden wird. Das Team Williams erlebt seine erste Hochphase, Weltmeister Alan Jones und seinen Teamkollegen Carlos Reutemann gilt es zu schlagen. Am Renntag regnet es in Rio unaufhörlich. Der Trainingsschnellste Nelson Piquet startet trotz der Umstände mit Trockenreifen. Er verpokert sich, und so übernehmen Reutemann und Jones die Spitze.

Mit großem Vorsprung auf den Dritten Ricardo Patrese führt das Duo auf dem Kurs von Jacarepagua, als 15 Runden vor Schluß die Williams-Box per Tafel einen Führungswechsel anordnet. Weltmeister Jones soll seinen Titel verteidigen, und Reutemann hat in seinem Vertrag den Status als Nummer 2 anerkannt. Doch der Argentinier denkt nicht daran, den Sieg zu verschenken und missachtet die Anweisung bis ins Ziel. Hinterher sagt er: "Klar habe ich die Tafel gesehen, aber ich bin in meiner Karriere immer mit dem Ziel gestartet, zu gewinnen. Wenn ich Zweiter geworden wäre, hätte ich sofort aufhören müssen." Reutemann gewinnt zwar das Rennen, verliert aber die Unterstützung des Teams und ist die restliche Saison auf sich allein gestellt. Das nimmt ihn, sonst als "eiskalt" bekannt, psychisch so mit, dass er beim letzten Rennen trotz WM-Führung den Titel gegen Piquet im Brabham verspielt. Aus dem Verlust der WM zieht Williams den Schluss, keine Teamorder mehr herauszugeben. Das gilt auch heute noch.

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