Sport : Im Rückspiegel (I): Das Drama von Adelaide

Hans Schmalbach

Jeder Große Preis hat seine ganz eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

26. Oktober 1986: Der Große Preis von Australien, damals in Adelaide ausgetragen und jahrelang das WM-Finale, verspricht Hochspannung. Drei Fahrer haben noch Aussicht auf den Titel: Nigel Mansell (Williams), Alain Prost (McLaren) und Nelson Piquet (Williams). Mansell reicht ein dritter Platz, die beiden anderen müssen siegen. Schon die erste Runde hält das, was alle Welt von einem spannenden Rennen erwartet. Drei Führungswechsel sorgen für Dramatik. Dann erleiden die McLaren von Alain Prost und Keke Rosberg merkwürdige Reifenschäden, wobei Prost es noch zur Box schafft und ins Rennen zurückkommt. Die Ingenieure der Reifenfirma Goodyear zögern nicht lange und schreiten zur Williams-Box, um Tipps zum Wechsel zu geben, da ist das Unglück schon passiert. Es trifft den ewigen Pechvogel Nigel Mansell, der komfortabel auf dem dritten Platz liegt und so gut wie Weltmeister ist. In Runde 64 überrundet er gerade Philippe Alliot im Ligier, als der linke Hinterreifen sich bei Tempo 320 km/h explosionsartig auflöst. Ein Wunder, dass Mansell bei den anschließenden wilden Drehern nirgendwo anschlägt und seinen Wagen in der Auslaufzone nahezu unbeschädigt abstellt. Alain Prost kommt mit seinem zweiten Reifensatz heil durch und wird nur vier Sekunden vor Nelson Piquet überraschend Weltmeister. Mansell sitzt derweil im Rennturm und kann kaum fassen, was ihm Rennleiter Burdette Martin erzählt: Hätte Mansells havarierter Williams die enge Kurve am Ende der Geraden blockiert, wäre der Grand Prix mit der roten Flagge beendet worden. Weil in einem solchen Fall der Stand der vorher absolvierten Runde gegolten hätte und es keinen Neustart mehr hätte geben dürfen (80 Prozent der Distanz waren erreicht), hätte der Weltmeister Nigel Mansell geheißen.

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