Sport : IM RÜCKSPIEGEL Premiere verpatzt

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Jeder Grand Prix hat seine eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

7. Oktober 1984: Die Motorsportfans in Deutschland hatten es lange herbeigesehnt. Acht lange Jahre war kein Motorengedröhne von Formel-1-Rennwagen in der Eifel zu hören. Der Große Preis von Europa, 1983 erstmals im englischen Brands Hatch ausgetragen, ist das erste Formel-1-Rennen auf dem umgebauten Nürburgring. Statt auf der 22,8 Kilometer langen berüchtigten Nordschleife fahren Lauda und Co. jetzt auf einem hochmodernen, mit weiträumigen Auslaufzonen versehenen 4,5 Kilometer langen Kurs, der als sicherste Rennstrecke Europas gilt.

So viel Sicherheit hat seinen Preis: Ganze 82 Millionen Mark hat der Neubau gekostet. Doch irgendwie scheint bei der Premiere nicht alles nach den Vorstellungen des organisierenden Automobilclubs von Deutschland zu laufen. Das jahreszeitübliche nasskalte Herbstwetter und die Tatsache, dass kein einziger deutscher Fahrer dabei ist, lässt den Kartenvorverkauf nur schleppend anlaufen. Viele Fans fühlen sich auch von der kargen Atmosphäre der neuen Strecke abgestoßen. Am Rennsonntag füllen dann auch nur rund 60 000 Zuschauer die großzügig angelegten Tribünen, obwohl der Titelkampf zwischen den beiden McLaren/Porsche-Piloten Niki Lauda und Alain Prost einiges an Spannung verspricht.

Schon in der Startrunde kommt es im Castrol-S, der ersten Kurve, zu der von vielen Beobachtern erwarteten Massenkarambolage. Für Ayrton Senna, Keke Rosberg, Marc Surer und Piercarlo Ghinzani ist vorzeitig Schluss. Sieger in einem ansonsten unspektakulären Rennen wird Alain Prost vor Michele Alboreto und Nelson Piquet.

Bernie Ecclestone gibt dem Eifelkurs im folgenden Jahr zwar noch mal eine Chance, aber auch der Grand Prix von Deutschland wird 1985 kein Zuschauermagnet. Erst 1995 kehrt die Formel 1 wieder zum mittlerweile auch optisch ansprechenden Nürburgring zurück. Der Boom um Michael Schumacher macht es möglich. Hans Schmalbach

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