Sport : IM RÜCKSPIEGEL Schwer verrechnet

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Jeder Große Preis hat seine ganz eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

19. Juli 1970: Die mangelhafte Zuverlässigkeit der Ferraris ist vor dem Rennen in England das Gesprächsthema in den Boxen. Mit ihren Zwölfzylindern sind Jacky Ickx und Clay Regazzoni auf dem Papier der Achtzylinder-Konkurrenz von Cosworth meilenweit überlegen – doch in der Realität verweigern die Motoren aus Maranello ständig ihren Dienst. Keinen einzigen Sieg konnte Ferrari trotz zahlreicher Führungskilometer in den ersten fünf WM-Läufen einfahren. Das soll sich auf der Strecke von Brands Hatch ändern, die sich zu dieser Zeit noch jährlich mit Silverstone als Austragungsort abwechselt.

Doch mit den Startplätzen drei für Ickx und sechs für Regazzoni sind die Voraussetzungen nicht die besten. Aus der ersten Reihe starten zwei Fahrer, die die Siege in der Saison bislang unter sich ausmachten: Jack Brabham und Jochen Rindt. Aber die Buckelpiste von Brands Hatch fordert alles von den Fahrern, und so kann der talentierte Ickx gleich an die Spitze fahren. In der Ferrari-Box freut man sich, bis es in Runde 7 wieder einmal eine unübersehbare Rauchentwicklung am 312 B gibt. Völlig entnervt stellt der Belgier seinen Rennwagen ab, um ein Duell zu verfolgen, das es in sich hat.

Jochen Rindt auf Lotus und Jack Brabham auf seiner gleichnamigen Eigenkonstruktion liefern sich ein Überholmanöver nach dem anderen und fahren so schnell, dass der Rest des Feldes bald über eine Minute Rückstand hat. Drei Runden vor Schluss übernimmt Brabham wieder die Führung und sieht in der letzten Runde wie der sichere Sieger aus, als er plötzlich langsamer wird. Der Tank ist leer! Rindt nimmt das Geschenk gerne an und kommt 30 Sekunden vor dem knatternden Brabham ins Ziel. Der ist entsprechend wütend, stellt sich aber vor sein Team. Erst 20 Jahre später verrät der Australier, wer sich bei der Spritrechnung vertan und damit den Sieg verspielt hat. Es war ein junger Rennmechaniker ns Ron Dennis – heute Teamchef von McLaren-Mercedes. Hans Schmalbach

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