Sport : IM RÜCKSPIEGEL Stallorder für ein Rennen

Clay Regazzonis großer Tag im Ferrari vor 26 Jahren

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Jeder Große Preis hat seine ganz eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

28. März 1976: Vor der Premiere des Großen Preises der USA an der Westküste in Long Beach konstatieren die Medien der Königsklasse des Motorsports eine gewisse Langeweile. Niki Lauda, amtierender Weltmeister, fährt mit seinem Ferrari die Konkurrenz in Grund und Boden und kommt mit der Idealpunktzahl 18 zum dritten Lauf der Saison. Beim Rennen in Kalifornien können die Fans letztmalig die Boliden mit ihren hoch aufragenden Lufthutzen erleben. Ab dem nächsten Rennen, dem Großen Preis von Spanien am 2. Mai, gilt ein neues technisches Reglement, das die Optik der Rennwagen erheblich verändert. Als maximale Bauhöhe sind dann nur noch 85 Zentimeter erlaubt.

Ein Höchstmaß an Spannung verspricht die erste Rechtskurve nach dem Start, die extrem langsam ist. Bereits in den Rahmenrennen hatte es hier kräftig gekracht. Die Formel-1-Piloten beweisen am Renntag allerdings ihre Disziplin, und so gibt es zumindest dort keinen Crash. Dennoch, der Kurs ist bei den Fahrern nicht gerade beliebt. Viele von ihnen sprechen von einer „Micky-Maus-Rennstrecke“, die sich durch die Betonschluchten schlängelt. Auslaufzonen gibt es nicht, eventuelle Fehler werden mit dem Kontakt zur stabilen Mauer bestraft.

Aber nicht nur die Strecke, auch das Ferrari-Team beherrscht die Schlagzeilen. Der neue Teamleiter Daniele Audetto will sogar eine Stallorder herausgeben, nach der zur Abwechslung mal Clay Regazzoni gewinnen soll. Der Rennverlauf ist dann aber zunächst gar nicht nach dem Geschmack der Italiener: James Hunt im McLaren führt lange Zeit, bis er durch einen Crash mit Tyrrell-Fahrer Patrick Depailler zurückfällt. Dann führt Niki Lauda. Dass letztendlich mit Regazzoni dann doch der Ferrari-Wunschkandidat gewinnt, ist eine Verkettung vieler Zufälle. Der Sieg des Schweizers sorgt teamintern noch für einigen Ärger, schon beim nächsten Rennen in Spanien ist Lauda wieder unumstritten die Nummer eins bei der Scuderia. Hans Schmalbach

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