Sport : IM RÜCKSPIEGEL Vom Cockpit ins Wohnzimmer

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Jeder Große Preis hat seine ganz eigene Geschichte. Hier wird sie erzählt.

15. Mai 1988: Der Grand Prix von Monaco ist erst Ayrton Sennas drittes Rennen im McLaren-Honda, doch der Brasilianer hat sich schon voll und ganz auf das Auto eingestellt. Als Senna im ersten Training eine Zeit herausfährt, die gleich drei Sekunden schneller ist als die des Teamkollegen Alain Prost, sind alle Konkurrenten geschockt. Dass die Kombination Senna/McLaren so dominieren würde, hatte zuvor niemand erwartet.

Prost reduziert den Abstand zwar noch einmal um rund eineinhalb Sekunden, am sicheren Sieg des Brasilianers haben Beobachter aber keine Zweifel mehr. Das Rennen verläuft auch wie erwartet: Senna und Prost deklassieren die Konkurrenz auf dem 3,320 Kilometer langen Stadtkurs. Die beiden drehen immer schnellere Runden, führen das Rennen schon fast mit Minutenvorsprung an. Ayrton Senna dreht wie berauscht seine Runden und hat seinerseits mehr als 50 Sekunden Vorsprung vor Alain Prost. Die beiden nachfolgenden Ferraris von Gerhard Berger und Michele Alboreto auf Platz drei und vier sind sogar schon im Visier Sennas, um von ihm überrundet zu werden. In diesem Augenblick meldet sich Teamchef Ron Dennis über Funk im Cockpit von Senna. „Fahr’ das Rennen gemütlich nach Hause“, lautet die Anweisung.

Senna befolgt den Befehl. Er bewegt den McLaren in gemäßigter Gangart durch die monegassischen Straßen, wird aber dadurch so unkonzentriert, dass er zwölf Runden vor Schluss einen Fehler macht. In der Portier-Kurve vor dem Tunnel bremst er zu spät, touchiert mit seinem linken Hinterrad die Leitplanken und beschädigt die Hinterradaufhängung. Ein Weiterfahren ist unmöglich.

Der Vorfall ist dem Brasilianer total peinlich: Er steigt aus seinem Wagen und geht gleich in seine nur zweihundert Meter entfernte Wohnung. Dort sieht er sich im Fernsehen an, wie sein größter Konkurrent, Teamkollege Alain Prost, den Sieg einfährt. Hans Schmalbach

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