Sport : Im Schatten der Insolvenz

Frank Bachner

Luiz Carlos Goulart hat seit Mittwoch wieder seinen Spielerpass. Das freut den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Goulart ist seit Mittwoch offenbar auch nicht um 2,5 Millionen Euro reicher. Das freut Hertha genauso. Der Fußballprofi Goulart, Künstlername Luizao, ist damit nämlich weiterhin ablösefrei. Und damit für die Berliner weiter ein Thema. Bis Mittwoch hätte Luizaos alter Verein, der klamme brasilianische Klub Corinthians Sao Paulo, ausstehende Gehälter an den Stürmer bezahlen müssen. Dann hätte der zehnmalige Nationalspieler wieder bei Corinthians unter Vertrag gestanden. Das hatte der oberste brasilianische Arbeitsrichter vergangene Woche entschieden.

Es ist ein bisschen kompliziert, das Thema Luizao. Die Kurzform geht so: Weil Sao Paulo bis Mittwoch nicht zahlen konnte, darf der Stürmer bis 1. Juli 2002 für seinen neuen Klub Gremio Porto Alegre spielen, und eine Ablösesumme muss sich Sao Paulo abschminken.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Das ist der Punkt. Denn Hertha hätte den 26-Jährigen ganz gerne. Im Präsidium hatte Manager Dieter Hoeneß "auf Zuruf die Größenordnung der Summe erfahren, die er für Luizao ausgeben darf", sagt Herthas Präsidiumsmitglied Jörg Thomas. Das war allerdings vor der Kirch-Insolvenz. Aber jetzt ist Kirch Media, der Inhaber der Fernseh-Rechte für die Fußball-Bundesliga, pleite, und keiner weiß, wie viel Geld aus dem Fernsehtopf in Zukunft in die Vereinskassen fließen wird. Sicher ist seit gestern nur, dass die Mai-Rate von 100 Millionen Euro überwiesen wird. Aber jeder kann sich ausrechnen, dass weniger Geld fließen wird. Bei Hertha wird wieder neu gerechnet. "Wenn morgen Präsidiums-Sitzung wäre, könnte es sein, dass weniger Geld für einen neuen Stürmer zur Verfügung gestellt würde", sagt Thomas. " Aber das ist Spekulation, und für Transfers ist der Manager zuständig."

Vor der Kirch-Insolvenz hatte Luizaos Berater Francisco Monteiro zehn Millionen Euro Gehalt für vier Jahre gefordert. Nach einem Kurzbesuch in Berlin war er weiter zu Lazio Rom gereist und hatte dort versucht, den einen Klub gegen den anderen auszuspielen. Für Hertha freilich sind zehn Millionen Euro, offiziell jedenfalls, nicht zu finanzieren. So viel hätte der Klub auch ohne Kirch-Insolvenz nicht bezahlt. Andererseits: Luizao durchlief in Berlin schon den medizinischen Check. Das macht man nicht unbedingt im Stadium der Vorverhandlungen.

Kurioserweise haben die Berliner aber trotz der Kirch-Insolvenz durchaus noch Chancen, Luizao zu verpflichten. Für erheblich weniger Geld natürlich. Aber bei Hertha bekäme er zumindest sein Gehalt. Bei Lazio Rom ist das nicht so sicher. Dort, schrieb die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch, warten die Profis schon seit November auf ihre Gehälter. In der jüngsten Bilanz klafft bei Lazio Rom angeblich ein Loch von 103 Millionen Euro.

Das erhöht Herthas Chancen, theoretisch zumindest. In der Praxis ist das Thema Stürmerverpflichtung eher nachrangig. Jedenfalls im Präsidium. Am Mittwochabend tagte der Vorstand, Hoeneß fehlte, und der Rest des Gremiums konzentrierte sich auf Wichtigeres: die Mitgliederversammlung am Montag. Luizao war kein Thema.

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