Sport : Im Schatten der Stars

Das Problem der Eisbären mit den NHL-Spielern

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé war unentschlossen. Einerseits wollte der Trainer des EHC Eisbären am Freitagabend schnell das Sportforum verlassen. Andererseits hatte der Kanadier auch das Bedürfnis, über das zurückliegende Spiel zu reden. Er stand auf dem Parkplatz, zögerte. „So etwas habe ich in meiner 34-jährigen Karriere als Trainer noch nicht erlebt. Wir haben 36 Chancen gegen Mannheim, und dann verlieren wir 3:8.“ Pagé lächelte verlegen. Er wusste, das seine Worte nicht den Kern des Problems trafen: Mit mangelnder Chancenauswertung ließ sich das Berliner Desaster gegen die Adler nicht erklären. Die Konkurrenz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist besser geworden: Weil sie sich mit namhaften Profis verstärkt hat.

Allein die Mannheimer hatten drei Spieler aus der National Hockey League (NHL) im Team. Pagé aber wünscht sich das auch. Doch er ist nun mal nicht Manager, Peter John Lee müsste das machen. Schließlich verkündet beinahe täglich ein Konkurrenz–Klub die Verpflichtung eines Profis aus der besten EishockeyLiga der Welt. Doch die Streitigkeiten in der NHL zwischen Klubbesitzern und Spielergewerkschaft über die Einführung einer Budgetobergrenze für die Spieler sind für viele DEL-Vereine erfreulich, für die Berliner aber nicht. Denn ihrem Eigner Philip Anschutz gehören auch die Los Angeles Kings – einer von 30 NHLKlubs, der seine Spieler ausgesperrt hat.Wenn also einer dieser Spieler bei seiner Berliner Filiale unterschreibt, würde Anschutz keinen Applaus bei anderen NHL-Klubeignern ernten. Schließlich wollen die mit der Aussperrung erreichen, dass sie ihre Etats für Spielergehälter pro Team auf 30 Millionen Dollar drücken dürfen – angesichts der Tatsache, dass Spitzenklubs vergangenes Jahr über 80 Millionen Dollar ausgegeben haben, ein schweres Vorhaben. Gut möglich also, dass die Saison ausfällt. Lee graut davor, „dass alle NHL-Spieler bis Saisonende in der DEL bleiben. Aber ich habe auch nie gesagt, dass wir diese Saison vom ersten Platz sprechen sollen“.

Manche sind da bei den Eisbären noch nicht so weit. Torhüter Oliver Jonas sprach Freitag nach zwei Dritteln und fünf Gegentoren gegen überlegene Mannheimer davon, dass die „Eisbären ein Spitzenteam“ seien. Auch Pagé glaubt trotz magerer Startbilanz von sieben Punkte in fünf Spielen und 21 Gegentoren noch daran: „Wir müssen positiv denken. Wir sind jetzt am Kontrollpunkt, müssen zeigen, wer wir sind und was wir wirklich können.“ Pech für die Berliner, dass immer neue Kontrolleure auftauchen: Die Krefeld Pinguine etwa, heute Gegner der Eisbären, wollen Jason Blake verpflichten. Der US-Amerikaner hat vergangene Saison bei den New York Islanders in der NHL 26 Tore erzielt. Glück für die Eisbären, dass er heute noch nicht spielt. So lässt sich in Krefeld etwas ausrichten. Besser wäre es, ansonsten gäbe es so schnell keine Ruhe bei den Berlinern.

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