Sport : Im Schatten des Meisters

Kölns Basketball-Trainer Stephan Baeck wird an seinem Vorgänger Svetislav Pesic gemessen

Sven Simon

Köln. Stephan Baeck wird versuchen, sich seine Unruhe nicht anmerken zu lassen. Heute Nachmittag (14.55 Uhr, live im DSF) ist er mit dem Basketball-Vizemeister Rhein Energie Cologne zu Gast bei Alba Berlin in der Schmeling-Halle. Der 38-Jährige sitzt auf der Trainerbank der Kölner anstelle des nach Barcelona abgewanderten Svetislav Pesic. Er hat vorher nie eine Mannschaft betreut, hat keine Trainerlizenz, beerbt aber einen der erfolgreichsten Trainer der Welt. Manchmal gäbe es halt Situationen im Leben, sagt er, „wo man nicht rechts oder links ausweichen kann, sondern mitten durch muss".

Der frühere Nationalspieler begleitete seinen Mentor im Sommer bei der WM-Vorbereitung der jugoslawischen Nationalmannschaft, bekam quasi als Crashkurs einen Trainerlehrgang. Aber erst jetzt wisse er, „wie schwer es ist, so wie Svetislav Pesic in jedem Training zu hundert Prozent präsent zu sein". Wenn er müde sei, „dann ist das Training nur halb so gut". Gegen starke Teams sind seine Spieler motiviert, gegen schwache oft weniger. Das liegt auch daran, dass nicht mehr Pesic mit der Knute am Rand steht, sagen einige Spieler. Viele Beobachter des Teams behaupten, dass Baeck zu ruhig an der Seitenlinie ist. „Ich muss die Mittel benutzen, die ich habe, und kann nicht die Mittel nehmen, wie Svetislav Pesic", sagt Baeck. Er versuche sich so zu entwickeln, dass er das Beste aus den Spielern raushole. Aber es sei schon die Präsenz, an der er am meisten arbeite. „Ich war früher extrem leise, deshalb musste ich auf jeden Fall lauter werden", sagt er. „Meine Frau hat mich kaum verstanden. Wie soll ich da meine Kinder erziehen?“ Seinen Humor hat er sich bewahrt.

Angesprochen auf das Spiel gegen Alba erzählt er drauflos, dass Kölsch besser schmecke als Berliner Kindl. Er kann nicht anders. Bei jeder kleinsten verbalen Vorlage muss er punkten. Pesic würde, wenn es um seine Religion, den Basketballsport geht, niemals Scherze machen. Trotzdem sagt er, dass „Stephan einfach so bleiben soll, wie er ist“.

Die Wege der beiden kreuzten sich erstmals in der deutschen Nationalmannschaft. 1992, als Baeck in Leverkusen Probleme mit Trainer Dirk Bauermann hatte, holte Pesic den Flügelspieler. Mit Erfolg. 1993 gewannen sie die Europameisterschaft in München. 1995 holten beide mit Berlin den Korac-Cup, der einzige Sieg eines deutschen Klubs in einem internationalen Wettbewerb. Im Laufe der Jahre sind sie Freunde geworden. Wenn Pesic letzte Saison an der Seitenlinie einen seiner berühmten Ausraster hatte, traute sich nur Baeck, ihn zurückzudrängen. Pesic und Baeck, das sind zwei, die sich verstehen, weil sie so unterschiedlich sind. Der Spieler Baeck brauchte das klare taktische Gerüst von Pesic, um sich selbst vor seiner Ballverliebtheit und seinem Hang zum schönen Spiel zu schützen. Und der Trainer Pesic mochte insgeheim den riskanten Spielinstinkt von Baeck.

Nun haben sich ihre Wege wieder getrennt, aber gleichzeitig folgt der Jüngere dem Älteren auch – als Trainer. Baeck weiß, dass „die Fußspuren von Pesic so groß sind, dass ich sie nicht ausfüllen kann". Er könne nur versuchen, „mit den eigenen Füßen in die gleiche Richtung zu gehen". Selbstbewusst und doch ein wenig unruhig.

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