Sport : Im Schockzustand

Werder Bremen ist nur noch ein Schatten seiner erfolgreichen Zeit.

Was war das denn? Der Bremer Santiago Garcia beim Nachdenken. Foto: dpa
Was war das denn? Der Bremer Santiago Garcia beim Nachdenken. Foto: dpaFoto: dpa

Bremen - Hängende Schultern, leere Gesichter, Blick zum Boden. Die Werder-Profis waren nach der gnadenlosen Abreibung nur noch enttäuscht über die eigene Unterlegenheit und fassungslos. „Es war für mich das schlimmste Spiel seit ich bei Werder bin“, kommentierte Kapitän Clemens Fritz die demütigende 0:7 (0:3)-Demontage – der 32-Jährige ist immerhin schon seit 2006 im Verein. Die Bremer kassierten die höchste Heimniederlage ihrer Bundesliga-Geschichte und wurden dabei von Bayern München geradezu blamiert. Das Debakel „schockt uns und tut weh“, erklärte Coach Robin Dutt und gab damit das allgemeine Stimmungsbild in der Mannschaft wieder. Dass Werder vor ein paar Jahren in der Fußball-Bundesliga auf Augenhöhe spielte und die Bayern immer wieder ärgern konnte, scheint eine gefühlte Ewigkeit her zu sein.

„Die Bayern waren einfach übermächtig, sie haben uns über die gesamte Spielzeit vorgeführt und uns zurechtgelegt“, beschrieb Fritz völlig zutreffend den Klassenunterschied: „Wir hatten einfach keine Mittel, besser dagegenzuhalten. Wir hatten keine Chance gegen diese Mannschaft. Das war unglaublich frustrierend.“ In der zweiten Halbzeit steckten die anfangs noch forschen Bremer vollends auf und ergaben sich den Gästen. So kam es noch schlimmer als bei der bisher höchsten Heimniederlage – dem 1:7 gegen Gladbach am 21. März 1987.

Während die Bayern den höchsten Saisonsieg mit ihren Fans in der Kurve feierten, rief Trainer Robin Dutt seine Spieler nach dem Abpfiff zusammen und redete minutenlang auf sie ein. Tapfer versprach er: „Es wird uns nicht aus der Bahn werfen.“ Der SV Werder, dem so viele Siege gegen die Bayern gelangen wie keinem anderen Bundesligisten, war dieses Mal nur ein Spielball. Dass unten auf dem Rasen der Erste beim Zweiten der ewigen Bundesliga-Tabelle spielte, war nicht zu erkennen. Stattdessen demonstrierten die Bremer mit ihrer Hilflosigkeit wieder einmal, warum sie mit der Spitze der Liga schon länger nichts mehr zu tun haben. Die glorreichen Zeiten, als Werder neben den Bayern sechsmal in der Champions League spielte, liegen „viele, viele Jahre“ zurück, wie Bayern-Coach Pep Guardiola freundlich lächelnd erklärte: „Da wechseln Spieler und Trainer. Das kann man nicht vergleichen.“ Die Bremer nähern sich nunmehr den Abstiegsrängen und kassieren weiterhin Unmengen von Toren, zuletzt 22 in sechs Begegnungen. „Wir haben keine Ordnung“, räumte Fritz ein: „Es hört sich doof an, aber daran müssen wir arbeiten.“

Dutt hat ein eigenwilliges Rezept für die Tage bis zum Gastspiel bei Hertha BSC ausgegeben. „Da musst du die Ohren fast schon auf Durchzug stellen“, meinte der Coach: „Wir werden uns bis zum Freitagsspiel viel anhören müssen.“ Vor allem Keeper Raphael Wolf, der bei seinem Heim-Debüt einen sehr ungemütlichen Nachmittag erlebte, konnte einem fast schon leidtun. Der 25 Jahre alte Nachfolger des unsicheren Sebastian Mielitz „war an allen Treffern schuldlos“, wie Manager Thomas Eichin feststellte. Die Mannschaft müsse sich bei ihm entschuldigen, meinte Eljero Elia. „Wir hätten ohne Raphael Wolf heute noch höher verloren“, lobte Trainer Robin Dutt. Schon in Hoffenheim hatte der 25-Jährige bei seinem Ligadebüt vier Gegentore hinnehmen müssen. Es war bezeichnend, dass Wolf trotz der sieben Gegentreffer gegen die Münchner noch der beste Bremer war.dpa

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