• Im schottischen Paradies Berti Vogts wird nach dem 1:0 gegen die Niederlande gefeiert

Sport : Im schottischen Paradies Berti Vogts wird nach dem 1:0 gegen die Niederlande gefeiert

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(Tsp). Berti Vogts hat sich geändert, seitdem er in Schottland ist. Irgendwie, hat man den Eindruck, passt das kleine Land nördlich von England zu dem Mann aus dem westfälischen Büttgen. Bei den bodenständigen Schotten hat er die Freude an seinem Job als Fußballtrainer wiedergefunden. Das illustriert sich schon in jedem Fernsehinterview, das der Nationalcoach der Schotten gibt. Vogt’s Angst vor der Öffentlichkeit ist einer gewissen, von Ironie untermalten lockeren Art gewichen. Und an der Seitenlinie, da sieht man Vogts nicht mehr wie einst bei der deutschen Nationalmannschaft das Geschehen mit verkrampft starrer Miene verfolgen. Er geht mit, jubelt überschwänglicher denn je zuvor. Grund dazu gab es für ihn ja zuletzt häufiger. Spätestens seit dem jüngsten Triumph der schottischen Auswahl ist Vogts einer der beliebtesten Nationaltrainer, den das Land je hatte. Das 1:0 in Glasgow gegen die Niederlande im Playoff-Hinspiel zur Teilnahme an der Europameisterschaft 2004 in Portugal hat in Schottland bereits eine große Euphorie ausgelöst.

Es war der erste Sieg der Schotten gegen die Niederlande seit 21 Jahren. Mit der Schlagzeile „VIP Berti“ feierte der „Daily Record“ den ehemaligen deutschen Nationalspieler und Weltmeister von 1974 am Sonntag auf Seite eins. Bei den Niederländern hingegen ist die Enttäuschung groß. Nach der WM 2002 in Südkorea und Japan droht der Europameister von 1988 erneut einen großen Wettbewerb zu verpassen.

„Vogts und Schottland und auf dem halben Weg ins Paradies“, titelte die „Sunday Post“ nach dem Siegtreffer von James McFadden vor 51 000 begeisterten Zuschauern im Glasgower Hampden Park. Mit geballter Faust reagierte Vogts nach dem Schlusspfiff. Die Fans und die Medien jubelten, und sogar Berti Vogts schwärmte über „die beste Leistung meiner Amtszeit“: Schottland wähnt sich nach dem 1:0-Erfolg über die Niederlande im Play- off-Hinspiel für die EM 2004 „auf halbem Weg ins Fußballparadies“, wie es der „Sunday Herald“ beschrieb.

Ein Sieg der besseren Organisation

„Wir haben phasenweise brillanten Fußball gespielt“, sagte Vogts. „Holland hat die besseren Spieler, aber wir sind besser organisiert. Wir sind eigentlich keine Nationalmannschaft, wir haben den Geist eines Klubteams.“ Vogts warnte jedoch gleichzeitig vor dem Rückspiel am Mittwoch in Amsterdam: „Das war erst die halbe Distanz. Aber nun lastet der Druck auf den Niederlanden.“ Mit langen Gesichtern traten die Stars Ruud van Nistelrooy, Patrik Kluivert und Co. die Heimreise an. „Das ist ein schlimmes Ergebnis für uns. Nun müssen wir zwei Tore schießen, aber das wird schwer, wenn wir noch einmal so viele Chancen auslassen“, sagte Kapitän Frank de Boer. Coach Dick Advocaat, der seine Zukunft beim Verband von der EM-Qualifikation abhängig macht, erging sich in Durchhalteparolen: „50 000 Fans in Amsterdam werden den Schotten das Leben ebenfalls schwer machen.“

Doch die Schotten sind selbstbewusst. Sie können nach Ansicht ihres deutschen Trainers nun mit großer Zuversicht dem Rückspiel am Mittwoch entgegensehen. „Immerhin gehen wir mit einem Vorsprung nach Amsterdam“, sagte Vogts. Er freute sich speziell darüber, dass seine Spieler keinerlei Respekt vor den großen Namen des Gegners zeigten. Zum Auftakt der EM-Qualifikation hatte seine Mannschaft sich mit einem 2:2 auf den Färöern blamiert. „Danach haben wir ein par neue Spieler gebracht und das System gewechselt. Seitdem haben wir eine Mannschaft“, sagte Vogts voller Stolz. Dafür erhielt er auch Lob von einem seiner Spieler, der am Sonnabend zuschauen musste. „Berti Vogts verdient Kredit für diesen Erfolg. Er wurde zu Beginn unglaublich kritisiert, was völlig unfair war, denn er musste eine komplett neue Mannschaft aufbauen. Nun können alle sehen, wie er für die Wende gesorgt hat“, schrieb der ehemalige Dortmunder Paul Lambert im „Sunday Herald“.

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