Sport : Im Spiegel des Tages: Ahlen wird Real

Stefan Hermanns

Peter Neururer, der Trainer des Fußball-Zweitligisten Leichtathletik Rasensport Ahlen, ist ein Mensch, der selten von Selbstzweifeln geplagt wird. Wenn es allein nach fachlicher Qualifikation gehe, so hat Neururer einmal gesagt, müsste er schon längst Real Madrid trainieren. Dummerweise hat es für Neururer immer nur zu Jobs bei kriselnden Zweit- oder Erstligisten gereicht: in grauer Vorzeit bei den damaligen Skandalklubs Schalke und Hertha, später in Saarbrücken und Köln, bei Kickers Offenbach und seit letztem Herbst nun bei LR Ahlen. Ein kontinuierlicher Abstieg also.

Ahlen ist ein Klub, dessen Fans - anders als Neururer - schon höchst zufrieden sind, dass sie überhaupt in der Zweiten Liga mitmachen dürfen. Auf seiner offiziellen Internetseite verkündet der Verein voller Freude: "DSF kommt!!!" Mit drei Ausrufezeichen. Jippiiiieh, wir sind im Fernsehen! Peter Neururer reicht das nicht. Er will mit dem Zweitligaaufsteiger gleich in die Bundesliga durchmarschieren. Illusorisch ist das nach jetzigem Stand nicht mehr. Dabei weiß kaum jemand, wo Ahlen überhaupt liegt.

Der Alptraum wird real: Nach Wolfsburg und Unterhaching wäre Ahlen der dritte No-Name-Verein in der Bundesliga und aus Sicht der Großklubs das nächste gewichtige Argument für die Gründung einer Europaliga. Peter Neururer stört das wahrscheinlich wenig. Er hat noch größere Pläne: Zum Beispiel hofft er, dass Helmut Spikker, der Präsident des Vereins, alle 110 000 Angestellten seiner Firma "LR International" dazu verpflichtet, Mitglied bei seinem gleichnamigen Klub zu werden. Mit einem Schlag hätte LR Ahlen mehr Mitglieder als Real Madrid. Und Peter Neururer wäre endlich Trainer beim größten Verein der Welt.

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