Sport : Im Spiegel des Tages: Ankunft in der Normalität

Robert Ide

Nun Ist Es Passiert.Bei den Paralympics in Sydney, ausgerufen als "beste Behinderten-Olympiade aller Zeiten", sind die ersten Dopingfälle bekannt geworden. Vier Gewichtheber aus vier Nationen wurden am Freitag nach positiven Trainingskontrollen von den Wettkämpfen suspendiert. Fällt damit ein dunkler Schatten auf die Spiele und ihre Vorbildfunktion? Die Antwort lautet: nein.

Die Wettkämpfe der Behinderten sind längst keine sportliche Randerscheinung mehr. Den Athleten geht es nicht allein um Lebensfreude, sondern um Medaillen. Für den ersehnten Sieg benötigen sie immer kompliziertere Technik. Aerodynamische Rollstühle und teure Elektronik-Prothesen sollen zum Erfolg verhelfen. Zehnkämpfer benutzen drei künstliche Beine: ein "Rennbein", ein "Wurfbein" und ein "Diskusbein". Da summieren sich die Kosten auf 100 000 Mark. Die Paralympics der Neuzeit - ein technologischer Wettlauf.

Kein Wunder, dass sich arme Länder um die olympische Idee sorgen. Teams wie das von Landminenopfern angeführte Kambodscha können nicht mehr mithalten. Sie verlangen, die Spiele weiterhin zur Rehabilitation zu nutzen - zu diesem Zweck seien sie schließlich 1948 begründet worden. Dieser Gedanke ist natürlich richtig. Doch wahr ist auch: Behinderte wollen nicht mehr als Exoten bestaunt, sondern als Sportler akzeptiert werden. Deshalb möchten sie gewinnen. Nur mit Medaillen können sie in ihrer Heimat Aufmerksamkeit erlangen. Das ist bei nicht gehandicapten Sportlern genauso.

Sydney war als Schritt zu mehr Normalität geplant. Mit 4000 Sportlern und einer Million Zuschauern sollen die Behinderten-Spiele zum Spektakel ersten Ranges werden. Schon die Eröffnungsshow im ausverkauften Stadium Australia stand dem Start der Sommerspiele in nichts nach. Nun schmälert Doping den Glanz. Doch im Grunde bestätigt es nur die Normalität. Denn warum sollen Behinderte frei von einer Versuchung sein, der auch immer mehr Hochleistungssportler erliegen? Doping bei den Paralympics: keine gute Sache. Aber eigentlich ganz normal.

0 Kommentare

Neuester Kommentar