Sport : Im Spiegel des Tages: Attenzione, Signor Hoeneß!

Heinrich Geiselberger

Uli Hoeneß hat sich dazu durchgerungen, für neue Spieler doch mal etwas mehr Geld vom Festgeldkonto abzuholen. Die Angst, von der überreichen Konkurrenz aus England, Spanien oder Italien abgehängt zu werden, hat den Manager des FC Bayern dazu getrieben, seine Politik des zurückhaltenden Investierens zu überdenken. Immer nur Effenberg, Elber und Scholl ist langweilig. Endlich auch einmal einen Redondo, Batistuta, Crespo oder Recoba nach München holen. Irgendwie müssen die Bayern ja zeigen, dass sie noch wer sind in Europa.

Das Problem ist nur, dass die superteuren Superstars aus Italien zwar perfekt zum Repräsentieren taugen, aber nur bedingt zur Mehrung des Ruhms ihrer Arbeitgeber. Am Dienstag ist mit dem AC Milan auch der letzte italienische Verein im Europapokal ausgeschieden. Zuvor waren schon die Römer Klubs AS und Lazio, Inter Mailand, Udine, Parma, Juventus und Florenz gescheitert, Florenz übrigens gegen die Übermacht vom FC Tirol Innsbruck. Die Seria A bejammert die schlechteste Bilanz seit 19 Jahren. Gründe sind schnell zur Hand. Horrende Ablösesummen und Gehälter ruinieren die Klubs. Der Passfälscherskandal beschäftigt die Gerichte, der Rassismus in den Stadien die Politik. Die Vereinsbosse müssen entweder ins Gericht, um zu erklären, warum ihre Südamerikaner alle europäische Omas haben. Oder in die Fankurve, damit die dort versammelten Ultras dunkelhäutige Spieler oder gegnerische Fans nicht immerzu vor den Augen der internationalen Öffentlichkeit nach Auschwitz wünschen.

Immerhin scheinen die allmächtigen Präsidenten allmählich einzusehen, dass es so nicht weitergehen kann. Unter dem Slogan "Mehr Tore - mehr Geld" wollen die Klubs leistungsbezogene Verträge einführen. Das ist nicht selbstverständlich in einer Liga, in der selbst für 18-Jährige 60 Millionen Mark auf den Tisch gelegt werden. Uli Hoeneß sollte sich das für seine neuen Superstars gleich merken. Es muss ja nicht Italien sein.

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