Sport : Im Spiegel des Tages: Aus Freude am Laufen

Jörg Wenig

Als deutsche Politiker vor einigen Jahren anfingen, Bill Clinton nachzueifern, ging ihnen ziemlich schnell die Puste aus. Der US-Präsident joggte traditionell und medienwirksam unter anderen mit den Siegern des legendären Boston-Marathons, so auch mit Uta Pippig. Vor ihrem Start beim Berlin-Marathon 1995 zog dann auch Eberhard Diepgen die Laufschuhe an. Doch das Jogging im Mommsenstadion war schnell beendet.

Inzwischen ist es nicht nur um die Kondition des Regierenden Bürgermeisters von Berlin viel besser bestellt. Eine ganze Reihe von Politikern hat den Laufsport entdeckt. Und da Berlin auch als läuferische Hauptstadt Deutschlands gilt, bieten die großen Veranstaltungen eine willkommene Plattform. Außenminister Joschka Fischer lief im vergangenen September den Marathon und startete nun gestern beim Neujahrslauf, Diepgen rannte schon beim Silvesterlauf, beim Halbmarathon und zuletzt bei der Team-Staffel. Senatoren und Staatssekretäre finden sich regelmäßig in den Feldern der diversen Berliner Läufe. Während sich die Veranstalter über zusätzliche Publicity freuen, zeigen die Politiker ihre Sympathie für den Breitensport - und eröffnen sich ein nicht unerhebliches Wählerpotenzial. Doch das gestrige Beispiel von Joschka Fischer zeigt, dass es inzwischen nicht nur um Publicity geht sondern um gesundes Sporttreiben. Joschka Fischer versteckte sich im Feld. Und darüber freuten sich nur die Kameramänner nicht.

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