Sport : Im Spiegel des Tages: Außer Funktion

Stefan Hermanns

Nicht nur Franz Beckenbauer hat mit seinen Bayern ein Problem. Reiner Calmund geht es bei Bayer Leverkusen ähnlich. Seine Mannschaft hat dreimal in Folge verloren, und wenn er sagt, "Wir wollen Meister werden", heißt es: "Jetzt ist der wirklich bescheuert geworden." Dabei liegt Bayer nur vier Punkte hinter der Spitze. Sagt Calmund aber, die Meisterschaft sei kein Thema mehr, heißt es: "Jetzt glauben die nicht mehr an ihre Mannschaft." Mag sein, dass die Bundesliga an Niveau verloren hat, weil die Spitzenvereine dauernd gegen Klubs wie Rostock und Cottbus verlieren. Dass sich niemand traut, offen von der Meisterschaft zu reden, ist vor allem eine Vorsichtsmaßnahme gegenüber den Medien. Denn die drehen nach Ansicht der Fußballer ohnehin alles so, wie es gerade am besten passt. "Man kann die Sau linksrum und rechtsrum durchs Dorf jagen", sagt Calmund.

In Bayers speziellem Fall kommt hinzu, dass es im Dorf Leverkusen ganz besonders viele Säue gibt. Hier heißt die Nachwuchsmannschaft nicht Nachwuchsmannschaft, sondern "Future Team". Und der Trainerstab heißt hier nicht Trainerstab, sondern "Funktionsteam". Dabei hat Bayer wie jeder andere Verein einen Cheftrainer, einen Torwarttrainer und einen Kotrainer.

Und dann wundert man sich in Leverkusen, dass alle Welt nur auf eine Gelegenheit wartet, um zu behaupten, dass dieses Funktionsteam eben eines gerade nicht tut: funktionieren. Nach Bayers Niederlage in Rostock war im Fernsehen eine Szene zu sehen, in der Trainer Berti Vogts und sein Assistent Pierre Littbarski wild gestikulierten. Der eine zeigte permanent nach rechts, der andere permanent nach links. Das ist ein schönes Bild. Ob es die Situation richtig wiedergibt, ist gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, was der Zuschauer sich dabei denkt: Aha, ein Funktionsteam, das nicht funktioniert. Auf diese Weise wird Bayer Leverkusen zum Opfer seines eigenen Perfektionismus.

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