Sport : Im Spiegel des Tages: Basisdemokratie bei Berti

Benedikt Voigt

Meistens läuft das in der Fußball-Bundesliga so: Erst rufen die Fans böse Parolen über den eigenen Trainer wie "Lorant raus" oder "Magath hau ab". Dann fangen die Zeitungen an, die jüngsten Niederlagen auf den Übungsleiter zurückzuführen. Wenn schließlich auch noch Manager und Trainer unisono beteuern, dass sie zu ihrem Trainer stehen, dann steht einer Trennung im beiderseitigen Einvernehmen nichts mehr im Weg. In Leverkusen geht das schneller.

Dort bot Trainer Hans-Hubert Vogts, den alle nur Berti rufen, jetzt seinen Rücktritt an. Die Mannschaft durfte darüber abstimmen, ob sie mit ihm weitermachen soll oder nicht. Die Spieler entschieden sich für eine Zukunft mit Berti. Zukunft? Es dürfte eher so sein, dass Vogts mit seinem Angebot das eigene Ende beschleunigt hat. Wenn bereits die Spieler bei der Trainerfrage mitreden dürfen, zeigt das, wie schwach der ehemalige Nationaltrainer seine eigene Position einschätzt. Es wäre gar nicht mehr nötig gewesen, dass Vogts sagt: "Wir haben Fehler gemacht." Natürlich ist sein Posten nach acht Niederlagen und dem Ausscheiden in Pokal und Uefa-Cup ohnehin nicht mehr sicher. Doch Vogts hätte eigentlich die Möglichkeit, weitere Schuldige zu finden: im Trainergespann, in der Mannschaft, im Umfeld. Es mag sympathisch wirken, wenn einer bereit ist, Schuld auf sich zu nehmen. Doch seit wann demontiert man sich selber? Es ist sein erster Job als Vereinstrainer, und vielleicht lässt sich das vorschnelle Rücktrittsangebot mit Unerfahrenheit erklären. Man sollte es Berti Vogts noch einmal erklären: Die Bundesliga ist keine Basisdemokratie. Sonst würden alle Spiele am Samstag um 15.30 Uhr stattfinden.

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