Sport : Im Spiegel des Tages: Bayer zahlt, die Fifa kuscht

Stefan Hermanns

Eigentlich hätte man es sich denken müssen: Vor drei Tagen noch hat Franz Beckenbauer mit der ihm eigenen Entschiedenheit ausgeschlossen, dass die Leverkusener Bayarena 2006 zu den Spielstätten der Fußball-Weltmeisterschaft gehören wird; gestern nun hat der wendigste Rhetoriker der Fußballbranche erwartungsgemäß dementiert, jemals eine solche Aussage getan zu haben. Kennt man ja von Beckenbauer. Sagt heute weiß und morgen schwarz.

Das Schlimme ist, dass Beckenbauer mit seinem kaiserlichen Veto gegen Leverkusen, Bayer und die Bayarena ausnahmsweise im Recht war. Schließlich gibt es für die WM-Tauglichkeit eines Stadions klare Richtlinien des Weltverbandes Fifa. Unter anderem schreiben sie 40 000 Sitzplätze vor. In die Bayarena passen gerade 22 500 Zuschauer. Selbst unter Berücksichtigung eines kaiserlichen Toleranzwertes (so, wie es gerade am besten passt) ist das ziemlich eindeutig.

Erstaunlicherweise aber gibt es in Deutschland Menschen, die noch mehr zu sagen haben als Kaiser Franz, zum Beispiel die Herren aus dem Vorstand der Bayer AG. Der Weltkonzern hat eine Menge Geld für die deutsche WM-Kampagne ausgegeben. Dass er dafür nun eine gewisse Gegenleistung erwartet, kann man ihm nicht einmal verübeln. Das eigentlich Verwerfliche ist, dass die Fifa und der DFB kuschen wie dressierte Pudel. "Wir stehen voll zu Leverkusen", teilte DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach bereits mit, und Fifa-Präsident Blatter "will kein Veto einlegen, wenn der DFB Leverkusen vorschlägt". Regeln sind dazu da, dass sie gebrochen werden. Man muss nur genug dafür zahlen.

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