Sport : Im Spiegel des Tages: Behalten - aber auch gewonnen?

Michael Rosentritt

Als ein Luxus-Problem hatte Dieter Hoeneß einst die Wechsel-Spekulationen um Marko Rehmer bezeichnet. Weil nämlich noch drei Jahre zuvor die Behauptung, Hertha könne einmal einen Spieler für 16 Millionen Mark verkaufen, nur Hohn ausgelöst hätte. So berichtete der Manager zumindest Anfang November. Dabei wird er schon gerechnet haben: 7,5 Millionen hatte Rehmer im Sommer 99 gekostet - ein brillantes Geschäft also. Daraus wird nun nichts. Arsenal London, das lange Zeit Interesse bekundet hatte, hat sein Interesse plötzlich verloren.

Gründe wird es dafür einige geben. Etwa den, dass Rehmer als verletzungsanfällig gilt. Zurzeit kuriert er einen Bruch der Kieferhöhlenwand und des Augenhöhlenbodens aus. Mit dem Bangen um seine Gesundheit lebt der 17-malige Nationalspieler schon lange. Sein Einstieg bei Hertha war mit einer viermonatigen Pause verbunden. Vor sieben Jahren, damals noch beim 1. FC Union, drohte wegen einer Knieverletzung sogar das Karriere-Ende. Dazwischen liegt ein langer Leidensweg: Knorpelschaden im Knie, Handbruch, Sprunggelenk lädiert, mehrere Muskelfaserrisse - Rehmer verbrachte in 17 Monaten bei Hertha fast mehr Zeit in Behandlung als am Ball.

Und ist das nun gut für Hertha, dass Rehmer dableiben kann/muss/darf? Oder schlecht, weil Hertha nun beim Einkaufen notwendigerer Verstärkungen 16 Millionen Mark weniger im Portemonnaie hat? Erst mal ist Rehmer wohl seine Wanderlust nicht vorzuwerfen - so eine Chance kommt selten. Für ihn und für den Schatzmeister. Andererseits weiß Hoeneß noch aus seiner aktiven Zeit beim FC Bayern, wohin es sportlich führt, wenn die Personalpolitik allein das Bankkonto füllt. Dann bleibt nämlich das Punktekonto meist leer.

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Mit einem gesunden Rehmer könnten die Chancen, erneut in die Champions League einzuziehen, steigen. Und was dies an finanziellem Spielraum nach sich zieht, ist bekannt. Ob aber der abwanderungswillige Rehmer mit ganzem Herzen für Hertha zur Verfügung steht, das ist noch offen. Und damit auch, ob in diesem Transfergerangel Hertha tatsächlich der Gewinner ist.

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