Sport : Im Spiegel des Tages: Blatter und die Bestechungsvorwürfe

Benedikt Voigt

Die Nachricht ist im Trubel um den 17. Meistertitel des FC Bayern München untergegangen. Doch falls sie sich bestätigt, dürfte sie in den nächsten Tagen die Sportpolitik erschüttern. Sogar einer der wichtigsten Funktionäre im Weltsport ist gefährdet: Joseph Blatter, Präsident des Weltfußballverbandes Fifa. Wie die "Süddeutsche Zeitung" gestern berichtete, soll die in Konkurs gegangene Sportvermarktungsfirma-ISL/ISMM in Liechtenstein Schwarze Konten in Höhe von 60 Millionen Schweizer Franken besessen haben. Der Name dieser Stiftung lautete auf den schönen spanischen Namen "Nunca" ("Nichts") und weist auf den vermutlichen Zweck dieses Geldes hin: Bestechung.

So würde sich erklären, warum die von Adidas-Chef Horst Dassler 1981 gegründete Vermarktungsgesellschaft trotz großer Konkurrenz immer wieder lukrative Aufträge landen konnte. Unter besonderem Verdacht steht der Fußballweltverband Fifa, der mit der ISMM eng verbunden war. Die Fernsehrechte für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 hatte der Fußballweltverband für jeweils 1,7 Milliarden Mark an die Kirch-Gruppe (Europa) und ISL (Rest der Welt) vergeben. Durch die ominöse Stiftung gerät nun Joseph Blatter unter Druck. ISL-Manager sollen dem Fifa-Präsidenten geraten haben, die bestehenden Verträge mit der ISL-Tochter ISMM trotz des Konkursverfahrens nicht zu kündigen. Sonst würden unliebsame Informationen über Blatters Geschäftsgebaren bekannt werden, berichtet die "Berliner Zeitung".

Somit bedroht das gestern eröffnete Konkursverfahren gegen die ISL auch den Fifa-Präsidenten. Ein ISL-Manager soll gesagt haben: "Wenn die ISL untergeht, stürzt auch Blatter." Fifa-Pressesprecher Andreas Herren weist jedoch alle Vorwürfe von sich. "Alles, was gegenwärtig herumgereicht wird, ist haltlos." Doch Herren gab gegenüber dem Sportinformationsdienst auch zu: "Es soll diese Stiftung geben. Es ist eine ISMM-Stiftung, aber wir haben von ihrer Existenz nichts gewusst. Die Fifa ist wie andere Sportverbände auch nur ISL-Kunde."

Das in Zug eröffnete Konkursverfahren gegen die ISL dürfte in den nächsten Wochen Licht in das Dunkel der Beziehung zwischen dem Sportverband und Sportvermarkter bringen. Der Verdacht gegen Blatter überrascht allerdings nur wenige. Schon seine Wahl zum Fifa-Präsidenten ist von Bestechungsvorwürfen begleitet gewesen. Doch auch IOC-Funktionäre könnten in den Genuss der Nunca-Stiftung gekommen sein. Bestechung und Vetternwirtschaft sind auch in diesen Kreisen keine Fremdwörter. In der vergangenen Woche hievte IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch seinen Sohn in den Kandidatenkreis der künftigen IOC-Mitglieder. Man darf gespannt sein, was das Verfahren in Zug alles aufdecken wird. Alles ist denkbar.

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