Sport : Im Spiegel des Tages: Bock auf Uefa-Cup

Stefan Hermanns

Der Kölner an sich scheint ein seltsamer Mensch zu sein. Seltsam und unverbesserlich. Alle Versuche, daran etwas zu ändern, sind offensichtlich zum Scheitern verdammt. Selbst Ewald Lienen, der von den Kölnern als "Heiliger Ewald" verehrt wird, muss machtlos kapitulieren. Dabei hatte es zuletzt so ausgesehen, als könne ausgerechnet Lienen, der knorrige Ostwestfale mit dem protestantischen Arbeitsethos, beim 1. FC Köln, dem Paradeklub des rheinischen Frohsinns, die neue Nüchternheit einführen.

Aussichtslos. Ewald Lienen kann noch so oft predigen, dass Erfolge allein das Ergebnis seriöser und intensiver Arbeit sind; der leicht spiritistisch veranlagte Kölner glaubt das natürlich nicht. Warum hat der FC denn die letzten beiden Heimspiele gegen Wolfsburg und Unterhaching nicht gewonnen? Na, weil der Geißbock Hennes VII. wegen der Maul- und Klauenseuche seinen Stall nicht verlassen durfte und deswegen seiner Bestimmung als Maskottchen im Stadion nicht nachgehen konnte. Die Deutsche Presse-Agentur meldet nun, dass der Geißbock am 28. April im Heimspiel gegen Energie Cottbus wieder ins Stadion darf, weil "für den angeblich Glück bringenden Geißbock durch das Umweltministerium des Landes Nordrhein-Westfalen eine Sondergenehmigung erteilt worden ist". Wieso angeblich?

Rolf Dittrich, Sprecher des Vereins, enthüllte nun, dass die Kölner alles unternommen haben, um weitere Rückschläge zu vermeiden. Die Sondergenehmigung "ist nicht direkt von Ministerin Bärbel Höhn gekommen, aber wir haben zwei Wochen akribisch hinterhertelefoniert". Vielleicht wird es in Köln ja jetzt doch noch was mit dem Uefa-Cup-Platz.

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