Sport : Im Spiegel des Tages: Das Ende eines Feindbildes

Helmut Schümann

Schön ist das nicht, wenn Feindbilder kaputtgehen, wenn die Welt sich plötzlich nicht mehr aufteilt in böse Bayern und guter Rest. Am Mittwochnachmittag war diese Welt noch in Ordnung gewesen, als bekannt wurde, dass sich die Geldsäcke vom FC Bayern auch noch mit 150 Millionen Mark von Adidas stopfen. Am Abend kamen dann Hargreaves, Kuffour, Andersson, Elber, Jeremies undundund. Und Ottmar Hitzfeld. Nach dem Abend ist es nun schwer, ach was, es ist unmöglich, die handelsübliche Häme über die Münchner aufrecht zu halten. Selbst notorische Schalker werden nun nicht mehr umhin können, den Bayern mindestens Respekt entgegen zu bringen. Und dem Trainer Hitzfeld Bewunderung.

Der hat alles richtig gemacht. Hat Kuffour aufgestellt, über den Bayern-Fans zuletzt nur weinten und andere sich ausschütteten vor Lachen. Kuffour spielte perfekt am Mittwochabend. Oder Andersson. Dass der zu mehr taugt als zum Adabei haben wohl nur ganz wenige gesehen. Hitzfeld hat und seitdem er ihn zum Abwehrchef und Libero umbildete, stehen die Bayern in der Defensive so souverän wie kein zweites Team auf der Welt. Schließlich die Sache Effenberg. Was macht ein durchschnittlicher Trainer, wenn ihm der wichtigste Spieler weggesperrt wird? Er greint, stellt die Mannschaft irgendwie um, versucht von Vornherein, den Schaden zu begrenzen. Hitzfeld guckt bei den Amateuren vorbei, sieht dort, dass da in einem jungen Mann ein Effenberg steckt und stellt ihm im bislang wichtigsten Spiel des Jahres auf den wichtigsten Posten des Spiels. Und Owen Hargreaves, dieser junge Mann aus Kanada, spielte, als sei er immer schon ein Effenberg gewesen. (Am Rande ist diese Entdeckung vielleicht auch ganz schön für Hertha BSC: Wofür brauchen die Bayern jetzt, wo sie ihren Post-Effenberg gefunden haben, noch Sebastian Deisler?)

Man könnte jetzt jeden einzelnen Spieler so durchgehen, am Ende bekäme sogar Linke ein Lob ab (na ja, ein kleines). Am Ende kommt man auf jeden Fall dahin, dass es für Finalgegner Valencia in 14 Tagen verdammt schwer werden wird, wenn die Bayern die Konzentration aus den Spielen gegen Manchester und Madrid wahren. Dass sie das tun, ist Aufgabe des Trainers, der macht alles richtig, also werden sie es tun. Kurzum: Der FC Bayern München steht ganz, ganz kurz vor dem großen Triumph.

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