Sport : Im Spiegel des Tages: Der Athlet ist mal wieder der Dumme

Jörg Wenig

Mit 16 Offiziellen und Betreuern ist der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) zur Hallen-WM nach Lissabon gereist. Eine stattliche Zahl, zumal es darum geht, 17 Athleten zu betreuen. Dass es nicht 18 sind, hängt mit dem Fall Jan Fitschen zusammen. Der Wattenscheider ist gesperrt, seit er bei den Deutschen Meisterschaften vor zwei Wochen gegen den vom Weltverband IAAF mit einer Dopingsperre belegten Dieter Baumann gerannt ist. Dadurch ist Fitschen prominent geworden - jedoch auf ungewollte Art und Weise. Der Läufer wollte sich mit der Qualifikation für die Hallen-WM einen Namen machen, doch statt dessen geriet er zwischen die Fronten und hatte keine Chance. Der DLV steht auf der einen und die IAAF auf der anderen Seite. Die deutschen Funktionäre wollen die Regel, über die Fitschen stolperte, aussetzen, der Weltverband machte aber nur eine Ausnahmegenehmigung für die Deutschen Crossmeisterschaften. Obwohl auch in anderen IAAF-Mitgliedsnationen ähnlich gedacht wird wie bei den Deutschen, ist mit einer Änderung der Regel frühestens im Sommer zu rechnen.

Seit Dieter Baumanns Start in Dortmund ist ein Durcheinander entstanden, das nur noch wenige Insider halbwegs durchblicken. Nationale und internationale Machtkämpfe gehören ebenso dazu wie eine Reihe unglücklicher Entscheidungen. Zum Beispiel die des DLV, alle Athleten in Dortmund pauschal zu warnen und nicht im Besonderen die 3000-m-Läufer. Zur besseren Verständigung im Chaos hilft es zudem außerordentlich, dass der DLV seit bald einem Jahr keinen Pressesprecher mehr hat. Für das alles kann Jan Fitschen am wenigsten - doch der Athlet ist der Leidtragende.

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