Sport : Im Spiegel des Tages: Der schlaue Holzbüttgener

Helmut Schümann

Der Rheinländer, das trifft auch auf jenen zu, der vom linken Niederrhein stammt, also da, wo Holzbüttgen liegt, diesen Rheinländer drängt es bekanntlich zu ungehemmtem Redefluss. Hier erzählt er mal ein Döneken, dort ein Histörchen, er redet und redet und redet - die Grenze zum Geschwätz ist dann mitunter fließend, und das Gesagte fällt im Nachhinein manchmal auch auf den Redner zurück. Ein Umstand, den der Rheinländer Adenauer mit dem bekannten Satz "wat kümmert misch mein Jeschwätz von jestern" hinwegzufegen versuchte.

Wir gründeln im Ethnologischen des Rheinländers nur deshalb so tief, weil Adenauers Parteifreund Berti Vogts, der Rheinländer aus Holzbüttgen, am Wochenende bei seinem ersten Auftritt als künftiger Trainer von Bayer Leverkusen seine genetische Bestimmung auch nicht hat bremsen können und doch arg ins Tratschen gekommen ist, als er von Geheimplänen und geflüsterten Terminabsprachen plauderte. Eigentlich hätte er ja erst am 1. Januar bei Bayer anfangen sollen, weil eigentlich zu diesem Datum schon Christoph Daum, der Naseweis unter den deutschen Fußballtrainern, vom Leverkusener Trainerstuhl auf den der Nationalmannschaft hätte wechseln sollen. Das ist, wenn man es vergleicht, eigentlich nicht ganz so wichtig im Weltgeschehen wie der Sack Reis, der in Peking umfällt.

Und dann wollte Vogts uns Zeitgenossen und der Nachwelt vielleicht etwas ganz anderes mitteilen, signalisieren gar? Zum Beispiel, dass er wichtig ist, weil er etwas weiß, was sonst niemand weiß? Gut, das wissen wir nun. Andererseits wüsste man jetzt auch noch gerne, was Klaus Toppmöller, der ursprünglich für den Job in Leverkusen eingeplante Zweitligatrainer vom 1. FC Saarbrücken, von diesem Geheimplan hält. Oder wollte Vogts genau dieses Faktum, dass er nur zweite Wahl gewesen ist, einfach hinwegfegen, mit seiner Enthüllung, schon lange vor Toppmöller erste Wahl gewesen zu sein? Das wäre dann aber verdammt schlau vom Holzbüttgener.

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