Sport : Im Spiegel des Tages: Der Wahlbetrug von Cottbus

Sven Goldmann

Cottbus ist eine Stadt mit einem, nun ja, problematischen Image. Früher regierte die Braunkohle, heute die Arbeitslosigkeit, dazu junge Leute mit kurzen Haaren und wenig Verständnis für Mitbürger, die anders aussehen als sie. Positiv kommt Cottbus in die Schlagzeilen, wenn es auf Negatives reagiert, so vor einer Woche bei der Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit. Ausländerfeindlichkeit in Cottbus. Wer der Stadt Gutes will, der lobt die Bundesgartenschau, aber die liegt auch schon fünf Jahre zurück. Bösartige Gäste sagen, das Beste an Cottbus sei die Autobahn nach Berlin.

Diese Stadt hat von einem Werbeträger geträumt, und sie hat ihn eher zufällig gefunden. Seit der FC Energie in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist, kommen andere Nachrichten aus Cottbus. Nachrichten von einer Mannschaft mit vielen Ausländern und ohne Stars, die trotzdem stark genug ist, den FC Bayern München zu bezwingen. Ja, so etwas gibt es auch im deutschen Osten.

Energie Cottbus hat bundesweit so etwas wie einen Sympathiebonus für Brandenburg herausgeschossen. Als die ARD die erfolgreichsten Mannschaften Deutschlands wählen ließ, landeten die Lausitzer Fußballer auf Platz neun, in Brandenburg auf Platz eins und zu Hause, bei der Wahl der "beliebtesten Cottbusser Sportler des Jahres 2000" ... auf Platz drei. Platz drei! Geschlagen von den Radballern des RK Endspurt 09 und den Classic-Keglerinnen der ESV Lok. Das hat gestern jedenfalls ein gewisser Waldemar Kleinschmidt behauptet, und der muss es als Cottbusser Oberbürgermeister wissen.

Reaktionen der Betroffenen liegen noch nicht vor. Zu tief sitzt der Schock, zu vielfältig sind die Fragen. Haben die Radballer als Autogrammkarten getarnte Stimmzettel beim Team Telekom ausgelegt? Fand die Auszählung im Kegelheim statt? Und, das lehrt uns Florida: Nach welchem System und mit welchen Zetteln wurde abgestimmt? Eine nachträgliche Auszählung per Hand erscheint unumgänglich, im schlimmsten Fall wird der Sieger erst im Sommer geehrt. Auch wenn Energie dann abgestiegen sein sollte.

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