Sport : Im Spiegel des Tages: Die Einsamkeit des Skispringers

Benedikt Voigt

Nun hat er sich also seinen Unmut von der Seele geredet. Martin Schmitt, vormaliger Überflieger und Bundesadler, kritisierte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" seine Mannschaftskollegen aus dem Skisprung-Nationalteam. "Riesenprobleme in den letzten Monaten", hat Schmitt festgestellt. Nicht durch ihn. "Die schlechte Stimmung in der Mannschaft kam eher zu Stande durch die Positionen sieben und acht, die mit ihren Leistungen nicht zufrieden waren." Er dürfte Christof Duffner und Hansjörg Jäkle meinen, doch im Grunde ist das egal. "Es gibt eine Schere und dadurch entstehen zwei Gruppen in der Mannschaft", klagt der 23-Jährige. Immer größer klafft die Lücke zwischen den beiden Leistungsträgern und Großverdienern, Schmitt und Hannawald, und dem Rest der deutschen Mannschaft. Doch der zweimalige Weltcup-Sieger trug nicht gerade zur Einheit in der Mannschaft bei, als er sich bei einer Flugreise mit Hannawald die Business-Class genehmigte, während sich der Rest in der Economy-Class zwängte. Es fällt auch auf, dass Schmitt diese Missstände ausgerechnet nach einer Saison beklagt, die für ihn durch den Höhenflug des Polen Adam Malysz nicht so positiv ausfiel wie erwartet.

Vielleicht sollte sich Schmitt von einer Illusion verabschieden. Skispringen ist kein Mannschaftssport, selbst wenn es bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften einen solchen Wettbewerb gibt, der das gesamte Team begeistern kann. Wenn man aber ehrlich ist, dann ist ein Skispringer spätestens dann alleine, wenn er sich vom Absprungbalken abgestoßen hat. In der Luft wird es sogar einsam. Je weiter und höher er fliegt, um so länger.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben