Sport : Im Spiegel des Tages: Die Macht liegt bei den Weltverbänden

Jörg Wenig

Wer den Fall Baumann verfolgt, landet in einem Labyrinth. Einen Ausweg scheint es nicht zu geben, Übersicht und Klarheit auch nicht. Nur noch einige Insider und ein paar Rechtsexperten können in etwa verstehen, was in dieser Sache passiert und geschehen ist. Selbst der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Helmut Digel, hat vor kurzem gesagt: "Ich weiß, dass das nicht mehr vermittelbar ist."

Jetzt will der Weltverband IAAF alle anderen Teilnehmer des Endlaufes über 3000 Meter bei den Deutschen Hallenmeisterschaften von Dortmund sperren, weil sie gegen den nach Meinung der IAAF rechtsmäßig gesperrten Baumann angetreten sind. Ein Procedere, das angekündigt war, das den Regeln gemäß vonstatten ginge und das Baumann allein hätte verhindern können - durch einen Startverzicht. Ein Verfahren, das seit gestern auch den deutschen Ringern droht. Auch die hatten ihren bei Olympia des Dopings überführten Athleten Alexander Leipold weiter ringen lassen, auch die, und zwar alle deutschen Ringer, werden nun höchstwahrscheinlich vom Weltverband gesperrt - offensichtlich haben hier wie dort die nationalen Verbände die Macht der Weltverbände unterschätzt, offensichtlich muss schleunigst eine Grundsatzentscheidung her, wer juristisch das Sagen hat.

Zurück zu Baumann. Bekanntlich verzichtete Baumann nicht, er gewann die Deutsche Meisterschaft und verlor in der Öffentlichkeit viel, wenn nicht alle Restsympathie. Gerecht? Oder doch eher ungerecht? Streng juristisch handelte der von seiner Unschuld überzeugte Baumann logisch und ebenso rechtlich abgesichert, als er sich per Einstweiliger Verfügung beim Rechtsausschuss-Vorsitzenden des Deutschen Leichtathletik-Verbandes die Startgenehmigung sicherte. Schließlich hatte ihn das Gremium im vergangenen Sommer freigesprochen. Dass sich die IAAF das nicht einfach so gefallen lassen kann, ist andererseits auch logisch, wie auch die Haltung der globalen Ringer, schließlich wollen beide in ihrem Anti-Doping-Kampf zumindest das Gesicht wahren.

Es ist so verworren und es kann einem im Angesicht des verzweifelten Kampfes von Dieter Baumann durchaus Michael Kohlhaas in den Sinn kommen. Auch der wähnte sich im Recht, er hatte sogar Recht, aber er scheiterte mit seiner Rechthaberei und riss seine Verbündeten mit ins Verderben. Vielleicht sollte das Kleistsche Drama dann doch nicht zum Vorbild dienen.

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